Die leidige Suche nach der guten Fortbildung

Kolumnen Autor: Dr. Cornelia Tauber-Bachmann

Auch meine medizinischen Fachangestellten hatten in den Kursen weder die Durchführung einer Lungenfunktionsprüfung noch eines EKG geübt. © iStock.com\Steve Debenport

Das Thema in unserer Praxiskolumne: Die gute Fortbildung finden.

Geht es Ihnen auch manchmal so? Man oder frau besucht eine Fortbildung und denkt sich danach: „War das alles?“

Nicht selten wird in der Fortbildung die Facharztdiagnostik dargeboten mit vielen Einzelheiten und Spezialitäten. Das ist zwar oft sehr interessant, aber für die Hausarztpraxis wenig relevant und machbar. Zudem gibt es dafür ja wahrlich ausreichend spezialisierte Fachärzte. Oder es wird die Facharzttherapie „gepredigt“, die ebenfalls in der Hausarztpraxis kaum oder gar nicht umzusetzen ist. Sei es, weil die Patienten noch ein paar andere Krankheiten haben, oder sei es, weil zu viele verschiedene Medikamente resultieren würden, deren Wechselwirkungen nicht mehr zu überblicken wären.

So manchen Vortrag hätten wir mit Postern von der Pharmaindustrie auch selbst halten können

Ebenfalls erlebt: Es wird eine Hausarzt-Fortbildung angeboten, die wissenschaftlich „unter aller Kanone“ ist und man/frau sich fragt, warum wir nicht mit ein paar von der Pharmaindustrie zur Verfügung gestellten Postern die Fortbildung selber gehalten haben. Oder es macht sich gar der Verdacht einer rein von der Pharmaindustrie lancierten Fortbildung unangenehm bemerkbar.

Sogar unser hausärztlicher Fortbildungskongress, die practica, enttäuschte mich in den letzten Jahren, hatte ich doch das Gefühl, dass auch hier die theoretischen Vorträge im Vordergrund stehen. Selbst im Notfallkurs war es nur um „graue Theorie“ gegangen: keine Reanimationsübung an der Puppe, kein Intubationsversuch am Phantom.

Praxisanteil beim Praxiskurs gleich null

Auch meine medizinischen Fach­angestellten hatten in den Kursen weder die Durchführung einer Lungenfunktionsprüfung noch eines EKG geübt. Dafür waren den Helferinnen diverse Rhythmus­störungen, deren Diagnostik und Therapie erklärt und die Interpretation von Lungenfunktionskurven dargelegt worden.

Beim besten Willen: Das kann ich nicht als gute Fortbildung für meine Angestellten ansehen. Eine gute Durchführung der Untersuchung ist doch die Grundlage für die Interpretation! Der Gipfel war, dass eine neu eingestellte Helferin, die den Kurs „Chirurgische Assistenz“ belegt hatte, weder mit Kenntnissen von sterilem Arbeiten noch von chirurgischen Instrumenten zurück kam, aber mir die Buchempfehlung des Referenten mitbrachte. Meine Praxis überlegte also ernsthaft eine practica-Pause.

Doch dieses Jahr standen wieder ein paar für uns spannende Themen auf dem Programm und so starteten wir einen neuen Versuch. Und siehe da: Die practica hat sich gelohnt. Ich lernte viel über Sinn und Unsinn und v.a. auch Gefahren von ergänzenden Therapien zu Tumorerkrankungen, welche Ernährungsempfehlungen aus dem großen Dschungel Krebsdiäten sinnvoll sind und welche Sportarten ein Tumorkranker ausüben darf und soll.

Die Referentin war – beinahe hätte ich gesagt zwar – Professorin an einer renommierten Uniklinik, aber ihr Seminar strotzte nur so von praktischem und in der Beratung umsetzbarem Wissen. Und wir Zuhörer trauten uns auch, Fragen zu stellen, was eine rege Diskussion ermöglichte. Und in der manuellen Therapie sorgte eine kompetente und freundliche Fachkollegin für viel praktisches Üben in aufgelockerter kollegialer Atmosphäre. Und das Beste war, dass ich sofort in der Nachmittagssprechstunde schon drei der neu erlernten „Griffe“ anwenden konnte zur Freude der Patienten. Das nenne ich eine lohnende Fortbildung. Ich bin nun gespannt, was meine Angestellten berichten.