Diebe stehlen in Kliniken auch auf Bestellung

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

Profidiebe nehmen auch Krankenhausequipment mit – Versicherer registrieren Millionenschäden. © iStock/VladEskunza

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Diebstähle in Krankenhäusern drastisch gestiegen. Patienten werden Geld und Handys geklaut. Diebesbanden räumen das Spezialequipment ganzer Abteilungen aus den Kliniken. Landeskriminalamt und Versicherungsunternehmen rufen zu mehr Prävention auf.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) legte die Zahl der Diebstähle in NRW-Krankenhäusern um rund 40 % von 4715 im Jahr 2011 auf 6651 im Jahr 2015 zu. Für 2016 ist die Auswertung noch nicht abgeschlossen.

Beim größten Teil der Delikte handelt es sich um Diebstähle ohne erschwerende Umstände. Das bedeutet, dass die Täter nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ handelten: Aus dem leeren Krankenzimmer oder dem Nachtisch des schlafenden Patienten werden das Handy und Bargeld entwendet. Die Täter seien in den Kliniken als Besucher getarnt unterwegs und klapperten systematisch die Zimmer ab.

Ein Sprecher des LKA schloss nicht aus, dass auch das Personal, etwa Mitarbeiter der Reinigungsdienste, mal einen „Zehner mitgehen ließ“.

Patienten ausspioniert, um in die Wohnung einzubrechen

Diese einfachen Delikte haben laut Landeskriminalamt um 45 % zugenommen. Die Dunkelziffer wird aber als hoch eingeschätzt: Häufig komme es zu keiner Anzeige bzw. der Diebstahl kleinerer Geldbeträge werde oft gar nicht bemerkt.

Wie können sich Kliniken vor Geräte-Diebstählen schützen?

Krankenhäuser seien zu Recht offene Häuser, so die Ecclesia-Gruppe. Umso notwendiger seien Präventionsmaßnahmen. Der Rat des Versicherers:

  • Gefährdete Bereiche mit wertvollen Geräten, in denen nachts und an Wochenenden kein Personal ist, identifizieren.
  • Die Gefährdungslage sollte gegenüber dem Personal offen kommuniziert werden. Wenn ein Mitarbeiter eine fremde Person auf dem Flur anspricht, kann dies bereits eine Straftat verhindern. Bei Verdacht sollten Polizei und Wachdienst hinzugezogen werden.
  • Öffentliche Veranstaltungen erfordern eine erhöhte Sensibilität der Verantwortlichen und des Personals. Die Täter nutzen sie zur Erkundung favorisierter Bereiche.
  • Videotechnik am Haupteingang, an Ausgängen sowie an Ausfahrten und auf Fluren kann (unter Einhaltung von Daten- und Mitarbeiterschutz) entscheidende Hinweise für die Strafverfolgung liefern.
  • Kamera-Dummys haben eine nicht zu unterschätzende Abschreckungswirkung.
  • Außenbereiche sollten durch automatische Beleuchtungen und mit Bewegungsmeldern an den Türen gesichert werden.

Quelle: Ecclesia-Gruppe

Viele Kliniken hätten reagiert und z.B. Safes in den Patientenzimmern installiert, so der Sprecher der Landes-Krankenhausgesellschaft. Das LKA empfiehlt den Patienten, so wenig Geld und Wertgegenstände wie möglich mitzunehmen und die Safes zu benutzen.

Das Krankenzimmer werde aber auch genutzt, um Patienten auszuspionieren und dann während ihrer Abwesenheit in ihre Wohnung einzubrechen. In seinen Präventionshinweisen rät das LKA, im Krankenzimmer nicht über private Verhältnisse zu sprechen.

Auch die Zahl der „Diebstähle unter erschwerenden Umständen“ ist um 27 % geklettert. Dabei brechen die Diebe z.B. Patientenschränke auf, wie kürzlich in einer Düsseldorfer Klinik geschehen. Vor allem aber verbergen sich hinter diesem Begriff regelrechte Raubzüge auf Klinik­ausstattungen.

In einem Rutsch in sechs Bundesländern zugeschlagen

Da werden komplette Endoskopie-Einrichtungen gestohlen. Der Schaden kann in die Millionen gehen. Da alle Geräte eine eindeutige Nummer tragen, sind sie auf dem deutschen Markt unverkäuflich. Die Krankenhausgesellschaft NRW geht davon aus, dass es vor allem osteuropäische Diebesbanden sind, die gezielt im Auftrag von „Kunden“ aus Osteuropa oder dem arabischen Raum handeln.

Die Ecclesia-Gruppe, ein Krankenhaus-Versicherer, berichtet, dass allein seit 2014 bei ihren Unternehmen 66 solcher Diebstähle von Endoskopie-Geräten mit einem Schadenswert von fast 16 Mio. Euro gemeldet wurden. Die meisten Fälle, nämlich 22, ereigneten sich in NRW. Von Mai bis Juni 2017 habe es acht neue Fälle gegeben; sechs Bundesländer seien zeitgleich betroffen gewesen.

Neben osteuropäischen Banden seien auch Banden aus Südamerika aktiv, das gehe aus Ermittlungen der Polizei hervor. Die Auftraggeber seien gut informiert. Die Täter reisten als Touristen ein und späten Krankenhäuser aus, um im geeigneten Moment, meist am Wochenende, zuzuschlagen.

Der Einbau einer Einbruchmeldeanlage sei nach wie vor die sicherste Präventionsmaßnahme, so die Versicherungsgruppe. Der Einbau und die Anlage selbst sollten vom Verband der Schadenversicherer (VdS) anerkannt sein.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht