Drogenabhängige bewerten „lockere“ Methadon-Ärzte im Internet

Gesundheitspolitik Autor: Anke Thomas

Neben Infos, wie der erste Schuss richtig gesetzt wird oder wie Drogencocktails wirken, findet man auf der Internetseite www.methadonliste-hamburg.de Tipps, welche Ärzte in Hamburg bezüglich Drogen angeblich locker drauf sind. Die Kommentare und Bewertungen sind teilweise dankbar und freundlich, manche aber auch haarsträubend und respektlos.

In manchen Kommentaren auf www.methadonliste-hamburg.de zeigen sich die Patienten dankbar gegenüber behandelnden Ärzten, wie etwa: „Dieser Mann hat sein Leben dem Kampf gegen die Angst und den daraus resultierenden Folgen wie Depression und Sucht verschrieben … ein wahrhaft großer Mensch.“

Manche Kommentatoren hingegen sind fast schon unverschämt. Als „schlecht“ wird beispielsweise ein Arzt bezeichnet, weil er mit strenger Hand regiert bzw. man auf jeden Fall „sauber“ sein müsse.

Ein anderer Junkie schreibt über einen Arzt, dieser sei selbst „total vergesslich, was viele Vorteile hat“, das eigentliche Problem sei die Arzthelferin, die den Arzt an alles erinnern würde. Außerdem gibt es eine Top-Liste der fünf „lockersten“ Methadon-Ärzte in Hamburg. Die Namen aller Ärzte sind gleich auf der Startseite veröffentlicht, die Süchtigen schreiben anonym.

Weiterhin finden sich auf der Seite auch Informationen dazu, ob und wie lange die verschiedenen Drogen (Cannabis, Amphetamine, Ecstasy, Kokain, LSD, Heroin, Benzodiazepine etc.) in Urin, Blut und Haaren nachweisbar sind. Neulinge finden Tipps, wie sie sich am besten den ersten Schuss setzen, welche Nadeln empfehlenswert sind usw.

Die Ärztekammer Hamburg prüft derzeit, ob rechtliche Schritte gegen die Betreiber der Homepage unternommen werden können bzw. ob Ärzte verlangen können, dass ihre Namen oder Kommentare von der Seite verschwinden.

Zwar gibt es schon einige Urteile, die einer Löschung entgegenstehen. Möglicherweise gibt es aber dennoch Punkte, die rechtlich nicht korrekt sind, sagt Dorthe Kieckbusch, Pressesprecherin der Ärztekammer Hamburg. So könnte es sich um einen Verstoß gegen das Telemediengesetz handeln, da auf der Homepage kein Impressum angegeben wurde.

Die KV Hamburg will die Ergebnisse der rechtlichen Prüfung durch die Ärztekammer abwarten. Die betroffenen Ärzte wurden von der KV angeschrieben und darüber informiert, dass ihr Name auf dem Portal veröffentlicht wurde. Die Rangliste hätte jedoch wenig Bedeutung, da die substituierenden Ärzte sehr strengen Kontrollen unterlägen, so Walter Plassmann, stellvertretender Vorsitzender der KV Hamburg im Hamburger Abendblatt.

Schelte vom Verband substituierender Ärzte

„Die Gesetze werden in Hamburg seit Jahrzehnten gebrochen. KV, Behörden und der Senat wissen das“, kritisiert Dr. Ingo Rempel, Generalsekretär des Dachverbands substituierender Ärzte Deutschlands, Plassmanns Aussage in einer Pressemitteilung. Die als „Hamburger Modell“ in Fachkreisen bezeichnete laxe Weitergabe von Methadon und anderen Drogenersatzstoffen im Rahmen einer Substitutionstherapie sei ein Skandal, so Dr. Rempel. Die Verantwortlichen in Politik und Ärzte-/Apothekerschaft müssten das "Hamburger Modell" sofort beenden und die Substitutionstherapie künftig nur noch nach gesetzlichen und suchtmedizinischen Vorgaben durchführen.

KV Hamburg schießt erbost zurück

„Völlig absurd“ nennt Walter Plassmann erbost die Vorwürfe Dr. Rempels. Bei der Behandlung von Drogenpatienten würden scharfe Überwachungs- und Qualitätssicherungsvorschriften gelten. Deren Einhaltung würden von KV, Ärzten und Krankenkassen eng und genau kontrolliert.

Plassmann: „Wer hiergegen verstoßen will, benötigt erhebliche kriminelle Energie, gefährdet seine Arzt- oder Apotheker-Approbation und muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.“ Die KV hat Dr. Rempel aufgefordert, seine Aussagen öffentlich zu widerrufen oder konkret zu belegen, wo gegen Gesetze verstoßen wurde. Liegen einer KV Verdachtsmomente vor, muss sie rechtlich gegen Ärzte vorgehen.

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