Eine Haartracht wie frisch frittiert

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Der Trend zum fettigen Haar findet immer mehr Anhänger. © fotolia/evgenyjs1

Der No-Poo Trend – in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Die Brüder Grimm schwärmen im Märchen von Rapunzels langen, prächtigen Haaren, „fein wie gesponnen Gold“. Ganz offensichtlich war das Mädchen keine Anhängerin der jetzt immer populärer werdenden „No-Poo“-Bewegung, denn sonst hätte der Königssohn bei seinem Aufstieg an dem herabgelassenen Schopf angesichts glitschigen Talgs wohl kaum den nötigen Halt gefunden.

An ihr Haar lassen sie nur Wasser und Lava-Erde

Der Name des Trends ist Programm: No-poo, abgekürzt für No-(Sham)poo, bildet zusammen mit möglichst seltenem Waschen die Basis für ein neues Konzept der Haarpflege. Statt mit herkömmlichen Produkten reinigen die Fans von No-poo ihren Schädel nur mit natürlichen Mitteln wie Lava-Erde, Natron, Seifenkraut oder farblosem Henna. Die meisten Trendsetter(innen) benutzen sogar ausschließlich Wasser.

Wenn Ihnen also demnächst ein Patient gegenübersitzt, dessen Haar optisch den Eindruck macht, als sei es in einer Fritteuse gebadet worden, mag es sich womöglich um einen Verfechter dieses „alternativen“ Programms handeln, dessen Sinn erfahrene Dermatologen durchaus infrage stellen. Ich gehe einen Schritt weiter: Diese Zeitgenossen haben schlicht ein gravierendes Problem mit den einfachsten Regeln der Körperhygiene!

Der natürliche Körpergeruch des Menschen ist heute nämlich – anders als bei den Neandertalern – nicht mehr gesellschaftsfähig. Der Talg, den die Drüsen auf der Kopfhaut absondern, um die Haare mit einem pflegenden Schutzfilm zu überziehen, fängt nun mal allmählich an zu riechen wie ranzige Butter. Und abstruse Pflegetipps helfen auch nicht wirklich weiter. Wer seine Haare beispielsweise einmal einer „Bierkur“ unterzogen hat, wird anschließend wochenlang einen Riesenbogen um sein Lieblings-Pils machen. Auch den diesbezüglichen Einsatz von Eigenurin, auf den einige Blogger schwören, finde ich einfach nur ekelhaft.

Das Shampoo bin ich meinen Mitmenschen schuldig!

Selbst wenn auf meinem Kopf nur noch wenig sprießt, so kommen die zarten Pflänzchen dennoch regelmäßig in den Genuss einer entsprechenden Reinigung mit dafür vorgesehenen Mitteln. Das bin ich den Mitmenschen in meiner nächsten Umgebung schuldig. Von derartigen Grundsätzen schien der übergewichtige, schwitzende Typ, der sich unlängst in den Flugzeugsitz neben mich zwängte, nur wenig zu halten. Wahrscheinlich war er bereits ein Vorreiter der „No-soap“-Fraktion. Obwohl es sich nur um einen relativ kurzen Inlandstrip handelte, wäre ich für eine Nasenklammer sehr dankbar gewesen …