Es kann sich lohnen, bei COPD das Anticholinergikum umzustellen

Autor: Manuela Arand, Foto: thinkstock

Der Exraucher Herr M., COPD diagnostiziert vor vier Jahren, nimmt nun schon drei Bronchodilatatoren, klagt aber über zunehmende Belastungsdyspnoe. Was tut man mit so einem Patienten?

Eigentlich geht es dem 64-Jährigen gar nicht schlecht angesichts von 60 Packungsjahren, die er hinter sich hatte, als er mit dem Rauchen aufhörte: kaum Husten, kaum Auswurf, keine Exazerbationen. Aber das FEV1 beträgt nur 23 % bei einem Residualvolumen von 242 %.


In dem Symposium, in dem der Fall vorgestellt wurde, hätten knapp 20% der anwesenden Kollegen diesem Patienten zusätzlich ein inhalatives Steroid (ICS) verordnet. Das aber ist angesichts des Fehlens von Exazerbationen nicht zu rechtfertigen. Denn ICS verbessern die Lungenfunktion per se nicht, betonte Professor Dr. Marek Lommatzsch von der Universität Rostock.


Auch der PDE-4-Inhibitor Roflumilast, von knapp 10 % der Zuhörer favorisiert, komme eher nicht infrage. Denn schlanke Patienten mit Emphysem, die wenig husten, profitierten Studien zufolge kaum davon, erklärte der Pneumologe.

Vier von zehn Kollegen wollten anderes LAMA

Die größte Gruppe der Anwesenden, nämlich über 40 %, sprach sich dafür aus, das lang wirksame Anticholinergikum (LAMA) oder das Inhalations-Device zu wechseln. Genau das haben auch die Kollegen in Ros­tock getan. Sie gaben dem Patienten Aclidinium (z.B. Bretaris®) in der Hoffnung, dass er mit dem Inhalator Genuair® besser zurechtkommen würde als mit seinem bisherigen Device und dass diese Substanz sich aufgrund ihrer schnellen Wirksamkeit positiv bemerkbar machen werde.


Wie der in Frankfurt niedergelassene Pneumologe Dr. Peter 
Kardos ergänzte, hat die zweimal tägliche Applikation eines LAMA, wie sie bei Aclidinium vorgesehen ist, in Studien vor allem bei Patienten mit schwerer COPD gut abgeschnitten.  Auch Patient M. war nach der Umstellung zufrieden: Er spüre jetzt tatsächlich die Wirkung und der Inhalator sei für ihn einfach zu bedienen, so seine Aussage.


Quelle: Satellitensymposium „Interaktive COPD-Fallkonferenz: Die real existierende COPD – zwischen Praxisalltag und Pharmakologie“ beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Veranstalter: Berlin-Chemie, Bremen, 2014