Freie Ärzteschaft in Spaltung: Neue Fraktion in der Ärztekammer

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

Freie Ärzteschaft/MT

Die Freie Ärzteschaft (FÄ) steht offenbar vor einer (Ab-)Spaltung. Innerhalb der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein ist dies mit der Zweiteilung und Neukonstituierung der Fraktion bereits erfolgt.

Das Verhältnis zwischen den zwei Gruppierungen um den im November 2012 neu gewählten Vorstand unter der Führung des Essener Hautarztes Wieland Dietrich und um den vorherigen Verbandschef Martin Grauduszus, Hausarzt in Erkrath, scheint unkittbar zerrüttet zu sein. In der nordrheinischen Kammerversammlung agieren FÄ-Mitglieder nun in zwei Gruppen.

Nachwirkungen der Wahl eines neuen Vorstands

Im Gespräch mit Medical Tribune warf Verbandsvorsitzender Dietrich seinem Kollegen Grauduszus ein mangelhaftes Demokratieverständnis und fehlende Koopertionsbereitschaft in der Kammerfraktion vor. Sein Amtsvorgänger akzeptiere nicht das Ergebnis der Vorstandswahl bei der Mitgliederversammlung.

Auslösend für den Bruch in der nord­rheinischen FÄ-Kammerfraktion war laut Dietrich, dass die FÄ-Delegierten für den Deutschen Ärztetag im Mai in Hannover (Martin Grauduszus, Dr. Peter Loula und Dr. Catherina Stauch) nicht zu einer Vorbesprechung der Fraktion erschienen.

Kein Fraktionsstatus mehr für die Versprengten

Deren Mandat stehe allerdings ebensowenig infrage wie der Posten von Hausarzt Grauduszus im Kammervorstand, denn dafür seien sie in der Vergangenheit gewählt worden, sagte Dietrich. Doch nun gibt es zwei Gruppierungen, die in der Kammerversammlung als Vertreter der FÄ auftreten. Mit neun Delegierten habe die neue Fraktion jedoch – anders als die Gruppe mit Grauduszus (sechs Delegierte) – auch einen klaren Fraktionsstatus, so Dietrich.

Der Vorstand des FÄ-Landesverbandes Nordrhein wirft der Gruppierung um Dietrich vor, „die verbliebene Gruppe politisch kaltzustellen und deren Mitglieder auszubooten“.  Er spricht in einer Pressemitteilung von einem „Tiefpunkt in der praktizierten ärztlichen Standespolitik“ und einer „bedenklichen Überhöhung machiavellistischen Anspruchsdenkens“. Von der Auflösung der Fraktion hätten die verbliebenen sechs Mitglieder erst durch eine Mitteilung der Geschäftsführung der Kammer erfahren. „Damit wird die Spaltung der ‚Freien Ärzteschaft’ aktiv und bewusst betrieben“, schreibt der Landesverbandsvorstand.

Ärztetag der Basis auf dem Hambacher Schloss

„Es läuft auf eine Abspaltung hinaus“, schätzt auch FÄ-Chef Dietrich die anhaltende Konfliktlage zwischen den Personen (und nicht in der Sache) ein. „Reisende soll man nicht aufhalten.“


Die Trennung ist absehbar. Am 20. April veranstalten die FÄ-Landesverbände Nordrhein und Rheinland-Pfalz auf dem Hambacher Schloss in Neustadt/Weinstraße (bekannt durch die frühe deutsche Demokratiebewegung – Hambacher Fest 1832) einen „Ärztetag der Basis“ (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.freie-aerzte-auf-hambach.de). Es wäre keine Überraschung, wenn dort bisherige FÄ-Mitglieder einen neuen Verein für ihre Interessenvertretung präsentieren würden.


FÄ-Chef Dietrich sieht in einem solchen Fall kein Problem für den Verband. Abspaltungen seien in der Politik normal. Er begrüßt jede Gruppierung, die sich für die Freiberuflichkeit der Ärzte stark macht.