Hotline für Ärzte zum Kinderschutz

Gesundheitspolitik Autor: Maya Hüss

Auskunft für Ärzte und medizinisches Fachpersonal rund um die Uhr. © Kinderschutzhotline.de

Seit Juli gibt es die medizinische Kinderschutzhotline. Sie richtet sich an Ärzte und medizinisches Fachpersonal, die bei der Behandlung von Kindern einen Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch haben, aber unsicher sind, an wen sie sich wenden können.

Am anderen Ende der Kinderschutzhotline mit der kostenfreien Rufnummer 0800 19 210 00 sitzen Ärzte aus dem Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Rechtsmedizin. Sie arbeiten rund um die Uhr im Schichtdienst und beantworten Fragen wie: Welche Schritte muss ich bei Verdacht auf Kindesmisshandlung unternehmen? Wie dokumentiere ich richtig? Wie spreche ich Begleitpersonen auf einen Misshandlungsverdacht an? An wen kann ich mich vor Ort wenden?

„Seit Freischaltung der Rufnummer hatten wir an die 100 Anrufe, im Schnitt sind es so zwei Anrufe pro Tag“, berichtet Andreas Witt, Projektkoordinator und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Universitätsklinikums in Ulm, das zusammen mit dem DRK Klinikum in Berlin-Westened die Hotline betreibt. Finanziert wird das dreijährige Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Ein Drittel der Anrufe aus Praxen und Klinikambulanzen

Vermehrt Ärzte aus dem Bereich der Kinder- und Jugendheilkunde haben laut Witt die Rufnummer in den vergangenen Monaten gewählt. Etwa ein Drittel aller Anrufe kam aus niedergelassenen Praxen und Klinikambulanzen.

Bei den zu besprechenden Fällen handele es sich um einfache, zum Teil aber auch sehr komplexe Fälle, sagt Witt. Speziell bei sexuellen Übergriffen auf Babys, Kinder und Jugendliche sei die medizinische Befundsicherung sehr wichtig. Dabei kann jeder Fall anonym am Telefon geschildert werden. Auch die Anrufer selbst haben die Möglichkeit, anonym zu bleiben.

Bestehende Strukturen sollen ergänzt statt ersetzt werden

Bestehende Hilfsstrukturen, die sich vor Ort um den Kinderschutz kümmern, sollen keinesfalls durch die neue Rufnummer ersetzt werden. Vielmehr gehe es darum, die Kommunikation zu verbesseren. Im konkreten Fall wüssten die behandelnden Ärzte meist nicht, ob und wann sie die Schweigepflicht verletzen dürfen.

Für die Zukunft wünscht sich Witt noch mehr Anrufe über die Hotline. Wichtig ist ihm, dass sich auch Ärzte melden, die in der Erwachsenenpsychiatrie und der Substitutionsmedizin tätig sind.