Impfungen – Hilft nur der Griff in den Geldbeutel?

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Bestimmte Impfungen müssen Pflicht sein, so Erich Kögler. © fotolia/Fotos 593

Das umstrittene Thema "Impfungen" - in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Impfungen gehören zu den größten Errungenschaften der Medizin. Sie haben dafür gesorgt, dass viele Krankheiten nahezu besiegt wurden und schützen Millionen Menschen vor Erkrankungen. Allerdings breitet sich in Deutschland eine immer stärkere Impf-Skepsis aus. Kritiker sehen in Impfungen ein unnötiges Risiko und betrachten sie überdies als reine Geldmacherei. Das sorgt dafür, dass vielen Schulkindern heute der Impfschutz fehlt. Knapp zehn Prozent der Berliner Schüler beispielsweise haben keine zweite Masernimpfung. Zehntausende Kinder und Jugendliche werden von ihren Eltern also völlig unnötigen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt – und damit die Gesellschaft.

"Kindergeld nur bei Nachweis des Masernschutzes? Find‘ ich gut!"

Verstehen kann man diese Verhaltensweise nicht, denn wer es mit dem Impfschutz für seine Kinder nicht so genau nimmt, handelt überaus fahrlässig. Wer also bewusst darauf verzichtet, nimmt billigend in Kauf, die eigenen Kinder und die Kinder anderer Eltern zu gefährden. Manche Eltern haben aus Unwissenheit Angst vor vermeintlichen Nebenwirkungen. Andere hegen Ressentiments gegen das Gesundheitssystem und flüchten sich dabei in eine irrationale Gegenwartsverweigerung, die sich in letzter Konsequenz gegen die Gesellschaft im Ganzen richtet. Es sind besonders Mitglieder der gebildeten Mittelschicht oder aus dem alternativen Milieu, die sich mit einer gehörigen Portion Halbwissen pathologisch im Recht sehen.

Die Einführung einer Impfpflicht ist denn auch spätestens seit dem Wiederaufflammen der Masern in Teilen Deutschlands im Gespräch. So hat Gesundheitsminis­ter Hermann Gröhe bereits mehrfach geäußert, dies sei für ihn "kein Tabu" mehr.

Aus juristischer Sicht ist diese Frage jedoch umstritten. In der DDR gab es eine stark erweiterte Impfpflicht, 17 Pflichtimpfungen mussten Kinder und Jugendliche seinerzeit im sozialistischen Osten vornehmen lassen und diese "von oben" verordnete Prophylaxe zahlte sich aus. Einen anderen Weg ist man im fernen Australien gegangen: Dort hat die Regierung längst beim Verzicht auf die vorbeugende Spritze staatliche Sozialleistungen gestrichen.

Auch hierzulande werden wir um entsprechende gesetzliche Regelungen nicht herumkommen. Gegen gefährliche Infektionskrankheiten hilft wohl nur, die Impfpflicht verbindlich vorzuschreiben. Die Mythen, die von Impfgegnern über Jahre verbreitet wurden, zeigen Wirkung. Da Aufklärung allein nicht reicht, könnte sich die Kassenärztliche Vereinigung Hessen daher vorstellen, dass notfalls der Staat die Auszahlung des Kindergeldes vom Nachweis des Masern-Impfschutzes abhängig macht. Find‘ ich gut – wahrscheinlich lässt sich nur mit dem Griff in den Geldbeutel verhindern, dass Ignoranz und Rücksichtslosigkeit zur Renaissance gefährlicher Krankheiten führen.