In der KV besser als beim Hausärzteverband aufgehoben?

Gesundheitspolitik Autor: Klaus Schmidt

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Immer mehr bayerische Hausärzte suchen ihr Heil nicht mehr im Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV), sondern bei der KV. Aktive Mitglieder kehren dem Berufsverband den Rücken zu, prominentester Austritt ist der von Dr. Wolfgang Hoppen­thaller.

Dr. Hoppenthaller, lange Jahre politisches Zugpferd für die Haus­ärzte im Freistaat, ist vom jetzigen BHÄV-Vorstand unter Dr. Dieter Geis schwer enttäuscht. Er wirft ihm unterwürfige Appeasementpolitik gegenüber Politik und Krankenkassen und eine für die Praxen schlechte HzV-Vertragspolitik vor.

In seinem Brief von Mitte Dezember an die Vorstandsmitglieder, mit dem er seinen Ehrenvorsitz zurückgibt und seine Mitgliedschaft zum 31.7.2012 kündigt, schreibt Dr. Hoppenthaller, dass der drohende Kollaps der hausärztlichen Versorgung „nicht mehr vom Verband, sondern vom Vorstand der KVB artikuliert und in die Öffentlichkeit getragen“ wird. „Stattdessen sollen die Kollegen offensichtlich durch Hausarzt-Verträge ruhiggestellt werden, deren Fallwerte geringfügig über und zum großen Teil sogar unter dem miserablen KV-Niveau liegen. Völlig inakzeptabel ist es aus meiner Sicht, dass diese Verträge ‚schöngerechnet‘ werden, um die Kollegen zur Teilnahme an diesen Verträgen zu veranlassen.“

In der Mitgliederversammlung Ende November in Erlangen hatte sich der Vorstand dazu bereit erklärt, die Berechnungen der KVB und die Datenlage der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG) zu überprüfen. Die hierzu anberaumte Sitzung am 7. Dezember bewertet Dr. Hoppenthaller jedoch als Reinfall: Aus seiner Sicht konnten die Vertreter der HÄVG nicht nachvollziehbar erklären, wie die von ihnen propagierten Fallwerte zustande kommen können.

Wie mit 55 bis 65 Euro Fallwert überleben?

Dr. Hoppenthaller sieht sich vielmehr in seiner Einschätzung bestätigt, dass diese Verträge nicht zum Erhalt der haus­ärztlichen Existenzen, sondern allein zum Erhalt der HÄVG geschlossen wurden: „Dies ist ein Missbrauch des hausärztlichen Vertragsrechtes, da es den Politikern signalisiert, dass wir durchaus mit Honorarfallwerten von 55 bis 65 Euro überleben können, was definitiv nicht der Fall ist.“

Damit die Kollegen ihre Praxisdaten durchrechnen und sich so selbst ein Bild machen können, stellt der BHÄV auf seiner Homepage einen Fallwertrechner zum HzV-Vertrag mit der Techniker bereit.

BHÄV-Vorstand hält an seinem Kurs fest

„Mit Bedauern und Respekt“ nimmt der Vorstand die Entscheidung von Dr. Hoppenthaller zur Kenntnis, den Ehrenvorsitz niederzulegen und aus dem Verband auszuscheiden. Er dankt dem Siegenburger Allgemeinarzt für seinen „großen persönlichen Einsatz“. Trotz allem will er aber seinen Kurs fortsetzen.

Dieser ist nach wie vor umstritten. Schon vor Dr. Hoppenthallers Ausstieg hatten mehrere Sprecher der Initiative „BHÄV quo vadis“ ihren Rücktritt aus dem Berufsverband erklärt und sich in „Basisärzte Bayern – Hausarzt quo vadis“ umbenannt. In ihrem Kündigungsschreiben an den BHÄV-Vorstand teilen Dr. Karl Stuhler und Kollegen mit: „Ihnen geht es anscheinend nicht mehr um die Interessen der bayerischen Hausärzteschaft, sondern nur noch um das Wohl der HÄVG und deren immer zahlreicher werdenden Tochtergesellschaften und Geschäftsmodelle.“

Die Rettung suchen die BHÄV-Flüchtlinge in der KVB. Seit dem Sieg der Hausärzte bei der letzten KV-Wahl und dem Amtsantritt von Dr. Wolfgang Krombholz, einst Stellvertreter Dr. Hoppenthallers im Vorsitz des BHÄV, fühlen sich die Hausärzte in der Körperschaft wieder gut aufgehoben. Außerdem agiert die Sympathiefigur Dr. Hoppenthaller als politischer Berater an der Seite des KVB-Vorstands und ist gewählter Delegierter in der KV-Vertreterversammlung.

Ein Vorbild der Quo-vadis-Ärzte ist auch Dr. Hermann Hartmann, der im Jahr 1900 zur Gründung eines ärztlichen Kampfverbandes aufrief, um das bis dahin geltende Selektivvertragssystem durch ein Kollektivvertragssystem zu ersetzen. Daraus entstanden die KVen.

Das Selektivvertragssystem, das der Hausärzteverband propagiert, hat in den Augen der Initiative den Nachteil, dass die Teilnahme freiwillig ist und daher nie 100 % erfassen wird. Das zieht zwingend eine Zweigleisigkeit bei Regelwerk, Abrechnung, Bürokratie, Fortbildung und rechtlichen Rahmenbedingungen nach sich. „Gibt es darüber hinaus keinen einheitlichen Selektivvertrag für alle Kassen, dann wird aus dem einen Gleis Selektivvertrag sehr schnell ein unüberschaubares Gewirr von Einzelgleisen.“ Der einzige Nutznießer dieser Entwicklung sei die HÄVG, die an der Abwicklung der HzV-Verträge verdiene.

Nachdem bereits KVB-Chef Dr. Krombholz offen erklärt hat, dass sich die KV für die Abrechnung der Selektivverträge bewerben will, unterstützen die Basisärzte diesen Kurs und rufen zur Mandatierung der KV für diese Aufgabe auf. Auf der Internetseite www.hausarztquovadis.de ist die Aktion nachlesbar. Hier läuft derzeit eine Abstimmung, in der die überwiegende Mehrheit von 351 Kollegen klar für die KV und gegen die HÄVG votiert (Stand 9.1.2012).