Jeder zweite Arzt kämpft mit Burn-out-Symptomen

Autor: Dr. Maria Weiß, Foto: thinkstock

Eine Studie aus Amerika zieht eine erschreckende Bilanz: Zirka ein Drittel der Ärzte zeigte emotionale Erschöpfungszeichen. Auch Depression und Suizidgedanken spielen eine Rolle.

Auch wenn der Arztberuf sehr befriedigend sein kann, leiden viele Kollegen über kurz oder lang an Burn-out-Symptomen. Dies hat eine amerikanische Studie jetzt erneut bestätigt. Ist der Arztberuf psychosozial verträglich?

Erschöpfung, Depression und Suizidgedanken - Burn-out-Symptome bei Medizinern 

7288 amerikanische Ärzte füllten einen detaillierten Fragebogen zu ihrer Tätigkeit und möglichen Burn-out-Zeichen aus. Das Ergebnis fiel nicht gerade positiv aus: 46 % der Teilnehmer wiesen zumindest ein Symptom des Ausgebranntseins auf. Mehr als ein Drittel gab eine ausgeprägte emotionale Erschöpfung an, 38 % der Kollegen ließen Anzeichen einer Depression erkennen, 6 % hatten im Jahr davor sogar an Suizid gedacht.


Knapp die Hälfte der befragten Mediziner bekannte, dass sie mehr Freizeit und mehr Zeit für die Familie bräuchten, berichtet die Arbeitsgruppe von der Mayo-Klinik in Rochester. Deutliche Unterschiede gab es bei den Fachrichtungen. Die stärksten Burn-out-Probleme hatten Notärzte, gefolgt von Hausärzten und Neurologen.

„Work-Life-Balance“ entscheidend für Burn-out-Risiko

Im Hinblick auf die Zufriedenheit mit der „Work-Life-Balance“ schnitten Chirurgen, Gynäkologen und Neurologen am schlechtesten ab – dicht gefolgt von Allgemeinmedizinern. Am zufriedensten waren Umweltmediziner, Dermatologen und Pädiater.


Auch im Vergleich zu anderen Berufstätigen stehen die Ärzte schlecht da. Mediziner arbeiteten im Mittel zehn Stunden mehr (50 vs. 40 Stunden in der Woche) und sie kamen deutlich häufiger auf mehr als 60 Wochenstunden (38 % vs. 11 %). Daher wundert es nicht, dass auch die Unzufriedenheit mit der persönlichen „Work-Life-Balance“ bei den Ärzten verbreiteter war (40 % vs. 23 %). Damit einher ging ein höheres Risiko für ein Burn-out-Symptom (38 vs. 28 %).

Quelle: Tait D. Shanafelt et al., Arch Intern Med 2012; online first