Köhler: Arztberuf nicht schlecht reden

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

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Fachärzte behandeln im Durchschnitt mehr als 40 Patienten am Tag, Hausärzte sogar mehr als 50. Trotzdem haben 53% der Kollegen „voll und ganz“ und 40% „eher“ Spaß an der Arbeit. Nur 7% sind mit ihrem Job unzufrieden.

Das besagt der von NAV-Virchow-Bund (NAV) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) beauftragte „Ärztemonitor 2012“, für den im Mai 11 000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten interviewt worden waren. Vier von fünf Niedergelassenen gaben hier an, sich wieder für den Arztberuf entscheiden zu wollen.

Doch wie passen diese Aussagen zu den Klagen der Ärzteverbände? KBV-Chef Dr. Andreas Köhler: „Ich warne davor zu sagen, jetzt geht es den Ärzten gut“. Sie seien oft zu einer „Fließbandarbeit mit hoher Taktung“ gezwungen. Durchschnittlich 14 Stunden benötigten Ärzte zudem wöchentlich für die Verwaltung.

Ärzte fordern Fallzahl-basierte Vergütung und Bürokratieabbau 

Die Körperschaft lege deshalb „den Finger in die Wunde“. Der KBV-Chef gibt zu, dass sich die wirtschaftliche Situation der Vertragsärzte aufgrund politischer Entscheidungen in den letzten Jahren gebessert hat. Allerdings bleibe dadurch nicht mehr Zeit für Patienten, was 57 % der Kollegen beklagten. Als Grund der Misere bezeichnete er die ökonomischen Rahmenbedingungen. Heute zählt bei der Vergütung nicht die Zeit am einzelnen Patienten, sondern eine hohe Fallzahl.


„Wir müssen aufhören, den Arztberuf schlecht zu reden und stattdessen die Rahmenbedingungen verbessern“, so Köhler. Zustimmung kam von Dr. Dirk Heinrich. Der NAV-Bundesvorsitzende hält, wie auch Köhler, den Abschied der Vergütungsabhängigkeit von der Fallzahl sowie den Abbau von Bürokratie für dringend nötig, ebenso die Förderungen von Kooperationen.


Und wenn sich die Hälfte der Kollegen laut Ärztemonitor am Ende des Arbeitstages „völlig erledigt“ sieht und ein Drittel der Ärzteschaft glaubt, „ausgebrannt zu sein“, dann müsse „der nächste Ärztemonitor dies genauer analysieren“, so Heinrich.