KV Nordrhein will so gut wie Mecklenburg dastehen

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

Der neue KV-Vorstand muss in Sachen Honorarzuschlag, Richtgrößenablösung und Notdienstreform liefern. © KV Nordrhein

Der neue Vorstand der KV Nordrhein nimmt sich der Altlasten an: In die Notdienstreform sollen Kliniken und Rettungsdienst einbezogen werden. Die Honorardifferenz zu den anderen KVen ist aufzuholen. Die Richtgrößenregresse können wegfallen.

Seit Jahresbeginn steht Dr. Frank Bergmann an der Spitze der KVNo. Der Neurologe ist in der Berufspolitik ein alter Hase, war er doch lange Jahre Chef des Berufsverbands der Neurologen und Vorsitzender der KV-Vertreterversammlung. Sein hausärztlicher Vorstandskollege Dr. Carsten König kennt die KV-Arbeit von der Pike auf, vor allem aus seiner Tätigkeit im KV-Kreisstellenvorstand in Düsseldorf.

Die Notdienstreform beschäftige die KV schon seit sechs Jahren – "zum Teil quälend", sagt Dr. Bergmann. Sie soll jetzt in "andere Bahnen" gelenkt werden. In einer Arbeitsgruppe unter Moderation des Landesgesundheitsministeriums ringen die beiden KVen des Landes mit den Krankenhäusern um eine gemeinsame Lösung.

KV hat kein Interesse an 370 Krankenhaus-Portalpraxen

Die Probleme seien sehr ähnlich: Die Krankenhäuser klagten – auch wegen Fehlallokationen – über eine Überlastung des Personals in den Ambulanzen, bei unzureichender Honorierung. Gleiches höre der Vorstand von den niedergelassenen Kollegen. "Das schreit nach einer gemeinsamen Lösung", sagt der KV-Chef. Diese bestehe allerdings nicht in Portalpraxen an jedem Krankenhaus. Denn das wären 370 Praxen, "die wir alle finanzieren dürften".

Auch der Rettungsdienst soll einbezogen werden. Denn dort gebe es ebenfalls Fehlallokationen und einen erheblichen Mittelverbrauch. Vieles spreche für eine einheitliche Leitstellenstruktur, wo Patienten professionell beraten und dorthin geleitet würden, wo ihnen adäquat geholfen werden könne, erklärt Dr. König.

Auch bei den Honorarverhandlungen will der KV-Vorstand Altlas­ten beseitigen. Für Dr. Bergmann ist es ein "Skandal", dass die Honorardifferenz z.B. zwischen Nordrhein und Mecklenburg-Vorpommern 70 Euro je Versicherten beträgt. Das führe dazu, dass die Gesundheitsversorgung in Nordrhein nicht so sein könne wie in anderen Bundesländern – was ja wohl auch nicht im Sinne der Krankenkassen ist. "Auch aus Gründen der Sicherstellung müssen wir die Honorardifferenz ändern", sagt Dr. König. Die Differenz von 30 % bewirke Honorarstrukturen, mit denen man zu wenige junge Ärzte zur Niederlassung in Nordrhein bewegen könne.

Negative Honorardifferenz schreckt junge Ärzte ab

Eine dritte Altlast sind die Richtgrößen und die damit verbundenen Regresse. An ihre Stelle sollen Leitsubstanzen und Verordnungsinformationen treten. "Es ist unser erklärtes Ziel, Regresse zu vermeiden", betont KV-Chef Dr. Bergmann. Die Verhandlungen mit den Kassen liefen gut; es seien nur noch Kleinigkeiten zu klären. Nach Auffassung von Dr. König sind schon 95 % der Standardmedikamente "preislich abgefangen", da sei kein Sparpotenzial mehr drin.

Die "Big Burner" seien teure Onkologie- und Nephrologie-Präparate, Hepatitis-C-Medikamente, Interferone sowie neue Diabetes-Produkte. Um bei sog. Volumenpräparaten etwas zu erreichen, setzt der KV-Vorstand auf die Prävention. Allerdings in der Hand der Ärzte und in "vernetzten Strukturen".

"Wenn Sie die heutige Lebens­realität eines Prä-Diabetes-Patienten sehen, dann gehen die Präventionsbemühungen an diesem vorbei", sagt Dr. König. Er verlangt, die Präven­tion als Komplexbehandlungen in die Praxis zu integrieren. So könne es gelingen, Patienten, die in Richtung chronische Bronchitis, Herz-Kranz-Gefäß-Erkrankungen oder Diabetes gleiten, frühzeitig für Sport und Ernährungsberatung zu gewinnen. Das könnte den Krankheitsbeginn um zehn Jahre aufschieben.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht