KV-Saarland: Neues Projekt zum schnelleren Facharzt-Termin

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

Im zweiten und dritten Quartal 2014 sollen 15 bis 20 % der Haus- und Facharztpraxen im Saarland die sog. dringliche Überweisung erproben. Lässt sich damit eine Alternative aufbauen zur geplanten Facharzttermingarantie der Großen Koalition?

"Die KBV wird ein geeignetes Modell als regionale Selbstverwaltungslösung entwickeln, das in eilbedürftigen Fällen nach den medizinischen Erfordernissen eine zügige Behandlung beim Facharzt ermöglicht", heißt es im Positionspapier der KBV zum gesundheitspolitischen Teil des Koalitionsvertrags von Union und SPD.

Die KBV lehnt eine "starre Zwangsregelung zur Reduzierung der Wartezeiten auf Facharzttermine" ab. Schließlich würden zwei Drittel der Bürger sofort oder innerhalb von drei Tagen einen Termin erhalten.

Überweisung unbürokratisch beschleunigen – geht das?

Ob sich eine "dringliche Überweisung" für eine beschleunigte Terminvergabe in wirklich drängenden Fällen und ohne großen bürokratischen Aufwand bewährt, will die KV Saarland mit Unterstützung durch das Landesgesundheitsminis­terium herausfinden.

Für das Modellprojekt wurde ein Beirat gegründet, dem unter anderen Gesundheitsminister Andreas Storm, Ex-KBV-Chef Dr. Andreas Köhler und der stellvertr. Vorsitzende des Sachverständigenrats fürs Gesundheitswesen, Professor Dr. Eberhard Wille, angehören. Mit der Studie wurde Professor Dr. Martin Dietrich, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes, beauftragt.

Das Land schießt 10 000 Euro zur Studie bei, mindestens genauso viel übernimmt die KV. Sie hält zudem 100 000 Euro für die Honorierung der Dokumentation zur dringlichen Überweisung im dritten Quartal bereit, was für 10 000 Vorgänge reicht.

70 Hausärzte und alle Fachärzte im Saarland wurden informiert

Es wurden 70 Hausärzte angeschrieben, ob sie freiwillig mitmachen. Die gesamte Fachärzteschaft wurde informiert, dass Dringlichkeitsüberweisungen samt Begleitdokumentation auf sie zukommen können. Das Projekt wird sowohl vom Hausärzteverband als auch vom Facharztforum Saar unterstützt.

Neu ist die Idee mit der dringlichen Überweisung nicht. Schon 2010 propagierte die KV eine beschleunigte Terminabstimmung zwischen Haus- und Facharzt per Fax. Allerdings weiß sie wenig über die tatsächliche Anwendung, berichtete der Chef der KV Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, bei der Vorstellung des neuen Projekts.

In dem Modell sollen nun Wirksamkeit, Effizienz und Akzeptanz einer dringlichen Überweisung ermittelt werden. Das geht so:

Hausarzt stehen drei Dringlichkeitsstufen zur Verfügung

Der Hausarzt gibt dem Patienten zusätzlich zur Überweisung ein Formular mit. Darauf trägt er links Praxisstempel und Datum ein und kreuzt an, ob der Patient den Facharzttermin selbst vereinbart oder er als Hausarzt dies telefonisch bzw. per Fax unter Angabe einer Dringlichkeitsstufe ("1" oder "2", d.h. innerhalb von 48 Stunden bzw. einer Woche) tut. In letzterem Fall darf der Hausarzt eine Pseudoziffer abrechnen.

Der Facharzt trägt dann auf der rechten Seite des Laufzettels seinen Stempel und das Datum ein und kreuzt an, ob der Patient den Termin vereinbart hat oder der einweisende Arzt (hier darf er ebenfalls eine Pseudoziffer ansetzen). Ein Honorar von jeweils 5 Euro gibt es allein im dritten Quartal.

Die Laufzettel – die keinerlei Patientendaten enthalten – sammelt der Facharzt und schickt sie mit seiner Abrechnung zur KV. Diese wiederum reicht sie zur Auswertung an die Universität weiter.

Außerdem sollen die Hausärzte einigen Patienten Fragebögen mitgeben, die diese mit Angaben zur Terminkoordination und zu Wartezeiten beim Facharzt abgeben. Prof. Dietrich kalkuliert mit 500 auswert­baren Rückmeldungen pro Quartal. Ferner sollen sich am Ende des Projekts möglichst alle involvierten Ärzte zur Praktikabilität und Bewertung der Dringlichkeits­überweisung äußern.

Öffnungsklausel als Ausweg zur KV-Terminservicestelle

Sollten im Juli erste signifikante Zwischenergebnisse vorliegen, werden diese sowohl auf Landesebene diskutiert als auch in Berlin in die politische Debatte eingespeist, stellte Gesundheitsminister Storm in Aussicht. Zwar will er nicht die Vereinbarungen der GroKo infrage stellen, aber vielleicht ergibt sich beim Thema Facharztterminvermittlung die Möglichkeit, im avisierten Gesetz eine Öffnungsklausel für regionale Lösungen zu verankern.

Auch Dr. Hauptmann hält sich bei der Einschätzung, welche Relevanz das Modell für die KBV-Strategie hat, zurück. Es sei „unser Projekt“ fürs Saarland, betonte er.

Der Gynäkologe sieht allerdings noch weiteren Klärungsbedarf. Aus den Praxen hört er, dass 5 bis 15 % der vergebenen Termine von den Versicherten nicht rechtzeitig wahrgenommen bzw. durch Absagen freigemacht werden.

Andererseits drängeln sich auch Patienten ohne Überweisung in die laufende Sprechstunde, indem sie laut genug am Telefon oder Empfangstresen über ihre akute Situation jammern. So könne kein Terminmanagement funktionieren. 

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