KV schickt den Hausarzt "on the road"

Gesundheitspolitik Autor: Anouschka Wasner

Der zur Praxis umgebaute Stadtbus ist 12 Meter lang. © KV Hessen

Versorgungslücken auf dem Land – in Hessen soll künftig ein Bus dagegen helfen. Aber nicht wie bei anderen Projekten, wo Patienten zu Praxen befördert werden. Dieser Bus bringt den Arzt.

Patientenbusse gibt es beispielsweise in der Märkischen Schweiz, in der Uckermarck, im Haveland, in Ostfriesland und in Blaubeuren. Sie alle transportieren nach verschiedenen Systemen Patienten aus ländlichen Regionen zu ihren Hausärzten. Aber was soll man tun, wenn die Ärzte bereits mit einem großen Patientenstamm zu kämpfen haben, weil vielleicht ein benachbarter Kollege seine Praxis aufgegeben hat und kein Nachfolger in Sicht ist?

Örtliche Hausärzte brauchen Entlastung

"Der MediBus soll die Hausärzte da unterstützen, wo sie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen", so Frank Dastych, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Es sei wenig sinnvoll, ihnen noch mehr Patienten in die Praxis zu schippern. Stattdessen soll der MediBus der KV als mobile Praxis Orte in ländlichen Teilen Nordhessens anfahren und dort eine Sprechstunde anbieten. Das Pilotprojekt – deutschlandweit einmalig in seiner Art – ist auf zwei Jahre angelegt.

Vorbild für den vom Projektpartner DB Regio gemieteten Bus ist jener, der für die Berliner Charité in der mobilen Flüchtlingsversorgung im Einsatz ist. Der ehemalige Stadtbus verfügt über einen kleinen Empfangsbereich, ein Labor und ein Sprechzimmer, eine autarke Stromversorgung und vor allem über Videosysteme, die die Zuschaltung von Dolmetschern oder weiteren Ärzten möglich macht. Seit April 2017 führt die KV Hessen Gespräche mit den Haus-ärzten im Grenzgebiet zwischen den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder – einer Region, die die KV mit Blick auf Versorgungsgrad, Altersstruktur, Einwohnerzahl, Infrastruktur, Einzugsgebiet und Fallzahl das "Sorgenkind" Nordhessens nennt. Etwa zehn Ärzte wollen sich an dem Pilotprojekt beteiligen. Sie hoffen auf Entlastung.

Manche Ärzte fremdeln noch beim Thema Delegation

Vereinzelte Ablehnungen oder eine abwartende Haltung bei Kollegen lassen sich wahrscheinlich auf die Befürchtung zurückführen, dass Patienten abspringen könnten, oder auf die Scheu vor Delegation und Stellvertretung.

Dabei ist es nicht das Ziel der KV, einen "Ersatzarzt" zu installieren. Der mobile Arzt soll möglichst weitgehend in Kontakt mit den jeweiligen Hausärzten stehen, bei Bedarf Zugriff auf die Patientenakten bekommen und ggf. per Videoübertragung mit dem Arzt kommunizieren. Um diese Anbindung an die Hausärzte für die Patienten sichtbar werden zu lassen, werden die Namen der teilnehmenden Hausärzte am Eingang zum Bus zu lesen sein. Davon abgesehen wird sich der Arzt-Patienten-Kontakt im üblichen Rahmen abspielen und abrechnen lassen; auch Patienten von nicht teilnehmenden Hausärzten können den "Bus-Arzt" konsultieren.

Jetzt ist die Körperschaft erstmal auf der Suche nach dem oder der richtigen Arzt/Ärztin für die Buspraxis. Die Person soll – angestellt bei der KV Hessen – an fünf Tagen der Woche jeweils zwei Standorte anfahren. Die genauen Standorte und Frequenzen sind noch festzulegen, die konkreten Gespräche mit den Bürgermeistern stehen aktuell an. Geplante Abfahrt: Januar 2018.

Quelle: KV Hessen – Pressekonferenz