Leitende Krankenhausärzte kritisieren Art der Bonuszahlungen

Gesundheitspolitik Autor: Cornela Kolbeck

thinkstock

Keine Belohnung für Mengenausweitung: Chefarztverträge mit Mengenvorgaben, die Leistungsausweitungen fördern, müssen verschwinden, heißt es beim Verband Leitender Krankenhausärzte (VLK). Der Verband fordert stattdessen Qualitätskriterien als Maßstab.

„Ethisch verantwortungsbewusste Medizin kennt nicht den ,Verkauf‘ von Kniegelenken, Wirbelsäulenversteifungen oder gar Organen zur Gewinnmaximierung des Unternehmens Krankenhaus“, sagte VKL-Präsident Professor Dr. Hans-Fred Weiser gegenüber Journalisten. Ärzte dürften deshalb auch keine „Key Account Manager“ zur Gewinnoptimierung der Kliniken sein.

Der VLK spricht sich klar gegen Chefarztverträge aus, die neben einem Grundgehalt auch an Leis­tungsmengen gebundene Bonus-Zahlungen vorsehen. Mediziner dürften nicht an Verkaufsstrategien der Kliniken beteiligt werden, so Prof. Weiser.

Private Klinikketten prüften bei kostenintensiven Leistungen gezielt die Versorgung in der Nachbarschaft und setzen ihre Chefärzte unter Druck. Schafften diese es nicht, mit modernen Abteilungen, Arbeit in hervorragender Qualität oder gutem Service mehr und mehr Patienten anzulocken, versuchen sie, mit anderen Mitteln ihre Boni zu erreichen.

Zur Not wird die Konkurrenz kannibalisiert

Dann würden konkurrierende Nachbarkrankenhäusern „kannibalisiert“, d.h., Patienten werden gezielt abgeworben. Oder es werden gar unnötige Leistungen generiert. Druck komme aber auch von anderen Trägern, denn alle Kliniken seien gefordert, schwarze Zahlen zu schreiben bzw. aus den roten Zahlen herauszukommen.

Prof. Weiser kritisiert hier auch die Haltung der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Diese hatte 2007 in ihrer „Beratungs- und Formulierungshilfe Chefarztvertrag“ den Abschluss von Zielvereinbarungen mit Chefärzten vorgeschlagen.

Besser: Chefärzte-Boni für Qualität und Mitarbeiterführung

Chefärzte verdienten nach Untersuchungen der Unternehmensberatung Kienbaum 2010 durchschnittlich 257 000 Euro und 2011 266 000 Euro. Sie sind die mit Abstand am besten verdienende Personengruppe im Krankenhaus. Geschäftsführer liegen mit ihren Jahresbezügen bei 156 000 Euro und ärztliche Direktoren im Schnitt bei 123 000 Euro. Chefärzte mit Altverträgen erhalten oft ein geringes Grundgehalt und einen hohen variablen Anteil. Neuverträge, die derzeit 35 bis 40 % der Chefarztverträge ausmachen, setzen sich nach Aussage von Prof. Weiser meist aus einem relativ guten Grundgehalt plus Bonus zusammen.

„Aber“, so Prof. Weiser, „das Gros dieser Verträge ist noch immer so ausgestaltet, wie wir es nicht wollen.“ Verträge, nach denen der Arzt Mengen produzieren müsse, um den Bonus zu erhalten, seien abzulehnen. Boni sollten besser mit anderen Parametern zur Anwendung kommen. Der Bonus für einen leitenden Arzt könne z.B. an der Senkung von Infektions- und Komplikationsraten, der Verringerung des Krankenstandes, der Mitarbeiterführung und -fortbildung in der eigenen Abteilung bemessen werden.

„Ich sehe hier Ärzte, Gesundheitsökonomen, Politik und die Verantwortungsträger der Selbstverwaltung in der Pflicht, gangbare, medizinisch sinnvolle Wettbewerbsparameter zu entwickeln“, so der VLK-Chef.