Lebensstil-Interventions-Programm: Tele-Coaching bis nach Thailand

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

Diskutierten auf der MEDICA (v.l.n.r.): Dr. Rainer Hess, ehem. G-BA-Chef, Christoph J. Rupprecht, AOK Rheinland/HH, Bernd Altpeter, Geschäftsführer des Deutschen Inst. für Telemed. und Gesundheitsförderung, Tino Sorge, CDU-MdB, Diana Droßel, Vorstandsvize diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, Dr. Hans-Martin Reuter, Vorstandsvize des BVND und Prof. Dr. Rüdiger Landgraf vom Kuratorium der DDS. © ZTG GmbH/P. Lippsmeier

Telemedizinische Angebote wie das „Telemedizinische Lebensstil-Interventions-Programm“ (TeLIPro) haben den Praxistest bestanden. Die Potenziale der Telemedizin sind allerdings bei chronisch kranken Patienten noch längst nicht ausgeschöpft.

Karl H., reisefreudiger Diabetes­patient aus Hamburg, ist erfolgreicher TeLIPro-Teilnehmer. Nach drei Monaten seien seine Werte „fantastisch“, berichtete er auf der Diskussionsveranstaltung „Digitale Diabetesversorgung – Quo vadis?“. Das Programm habe ihm erlaubt, trotz Krankheit mehrere Monate in Thailand zu verbringen. Denn für das elektronische Monitoring und Coaching seien auch Tausende Kilometer Entfernung kein Hindernis.

Coach achtet auf Ernährung, Bewegung und Adhärenz

TeLIPro verfolgt das Ziel, den Gesundheitszustand und die Lebensqualität chronisch kranker Menschen zu erhalten oder zu verbessern und damit Risikofaktoren für Begleit- und Folgeerkrankungen zu minimieren. Ein persönlicher Gesundheitscoach unterstützt die Patienten dabei, einen gesünderen Lebensstil sowie die ärztlichen Therapieempfehlungen im Alltag umzusetzen. Kontakt und Datenübermittlung erfolgen elektronisch.

Laut Manuel Ickrath, Sprecher der Task Force Digitalisierung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, schreitet die Digitalisierung jedoch eher langsam voran. Warum? „Ohne flächendeckendes Breitbandnetz kommt die Digitalisierung beim Patienten nicht an“, meinte Tino Sorge, Bundestagsabgeordneter der CDU aus Magdeburg und im Gesundheitsausschuss für das Thema Digitalisierung zuständig. Deshalb müsste bei der Lizenzvergabe vor allem auf die Ausstattung des ländlichen Raums geachtet werden.

Zudem arbeiten die Zulassungsstellen langsam. „Der Schnelllebigkeit der Entwicklung der Telemedizin ist der Gemeinsame Bundesausschuss nicht gewachsen“, sagte der ehemalige G-BA-Vorsitzende Dr. Rainer Hess. Außerdem basierten die klassischen Zulassungsverfahren auf langjährigen Studien. Die gebe es aber bei den digitalen Verfahren nicht. Für diese bräuchte es andere Methoden. Die medizinische Sicherheit könnte man mit Auflagen für den Markteintritt sicherstellen.

Schon im Studium und in der Facharztausbildung sollten die Kollegen mit der digitalen Technik vertraut gemacht werden, meinte Professor Dr. Rüdiger Landgraf, Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Diabetes Stiftung (DDS). So könne auch die Angst vor einer Datenflut abgebaut werden. „Je mehr Daten zur Verfügung stehen, umso mehr besteht die Chance, auf den einzelnen Patienten einzugehen“, so der Facharzt für Innere Medizin.

Nach Auffassung des Jenaer Dia­betologen Dr. Hans-Martin Reuter, stellv. Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen (BVND), hapert es vor allem bei der Kommunikation. „Nur 17 % der Befunde, die der Hausarztpraxis vorliegen, landen auch in der Schwerpunktpraxis.“ Hilfreich wäre eine Abstimmung zwischen Apps und Auslesegeräten. Zudem stimme die Finanzierung nicht. „Die Festlegungen des Bewertungsausschusses sind nicht kostendeckend“, beklagte Dr. Reuter.

Landesinitiative zertifiziert Telemedizin-Programm

Nach Ansicht von Diana Droßel von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe sind die Krankenkassen noch immer zu restriktiv bei der Finanzierung moderner Geräte zur Glukosemessung. „Dabei bedeutet digitales Diabetes-Selbstmanagement Freiheit im Alltag.“

TeLIPro wurde von der Landesinitiative eGesundheit.nrw zertifiziert. Damit werde bestätigt, dass das Telemedizin-Programm geeignet sei, patientenrelevante Ziele und Prozesse zu stärken.