Medikationsplan nimmt klare Formen an

Autor: Cornelia Kolbeck, Foto: KBV

Ab Oktober hat jeder gesetzlich Versicherte, der mindestens drei Medikamente verordnet bekommt, das Recht auf einen Medikationsplan in Papierform. Ziel ist die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS).

Mittels eines Barcodes sollen Niedergelassene, Apotheker und Klinikärzte bundesweit über die Praxissoftware auf den Medikationsplan zugreifen und verordnete bzw. verkaufte Medikamente eintragen, löschen bzw. überschauen können. Die dazu genutzte Software prüft dabei, ob für den Patienten gefährliche Interaktionen, Wechsel- oder Nebenwirkungen der Medikamente bestehen. Ein rotes Fenster signalisiert sogleich eine Gefahr.

Einheitliche, zertifizierte Formulare deutschlandweit

Regina Feldmann, Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), gibt zu, dass es sich hierbei um eine Zukunftsversion handelt. Wann sie realisiert sein könnte? "Ich bin kein Prophet", sagt sie. Mit dem jetzigen Medikationsplan gehe man aber zumindest den ersten Schritt.

Die niedergelassenen Ärzte sollen bundesweit ab Oktober einen einheitlichen Medikationsplan nutzen. Deshalb erfolgt eine Zertifizierung der Formulare durch die KBV. Ein Muster dieses Medikationsplans präsentierten deren Vertreter kürzlich der Presse.

Eingetragen werden müssen hier Wirkstoff, Handelsname, Wirkstoffstärke, Darreichungsform, Einnahmeschema (morgens, mittags, abends, nachts) und Einheit (z.B. Tablette oder Injektion). Darüber hinaus können besondere Hinweise vermerkt werden, wie zum Spritzen von Insulin oder Aufkleben von Schmerzpflastern. Ganz wichtig ist aus Sicht von Feldmann auch der optionale Eintrag zum "Grund". Sie sehe in ihrer Hausarztpraxis immer wieder, dass manche Patienten, die mehrere Tabletten einnehmen müssten, nicht mehr wüssten, wogegen welche Tablette sei.

Der Großteil der Angaben wird von der Arztsoftware übertragen, andere Informationen kann der Arzt nach Bedarf ausfüllen. Medizinprodukte sind separat zu berücksichtigen. Eingetragen werden soll vom Apotheker zudem die Selbstmedikation, zum Beispiel "Johanniskraut, Laif Balance, 900 mg, Tabl., 1 x morgens, Stück, ..., Stimmung".

Kein unnötiger 
Bürokratieaufwand

Letztendlich wird der Erfolg allerdings davon abhängen, wie fleißig der Patient seinen Medikationsplan von Arzt zu Arzt sowie zur Apotheke trägt. Hausärztin Feldmann nutzt in ihrer Praxis bereits Medikationspläne nach DDR-Muster. Ihre Erfahrung: Nur 30 % der Patienten bringen den Plan tatsächlich immer wieder mit. Die KBV-Chefin geht davon aus, dass die zukünftige Verankerung in der elektronischen Gesundheitskarte das Problem löst.

Es hakt aber auch an der Praxissoftware, die in der Regel noch kein Modul für die Prüfung der AMTS beinhaltet. Zu teuer für den einzelnen Arzt, sagt Feldmann. Sie sei deshalb im Gespräch mit der Pharmaindustrie. Vorgesehen ist auch eine Erleichterung für Ärzte beim Ausfüllen des Plans mithilfe von Textbausteinen in der Arztsoftware. Es wird in jedem Fall angestrebt, dass die Erstellung und Aktualisierung des Medikationsplanes keinen unnötigen Bürokratieaufwand mit sich bringen soll.kol


Quelle: Pressekonferenz der KBV