Medizin-Bachelor/Master - Pro und Contra

Gesundheitspolitik Autor: Jürgen R. Draxler

Pro und Contra zum neuen Bachelor/Master-Medizinstudium in Oldenburg - Prof. Dr. Dr. Kohse vom Klinikum Oldenburg und Dr. Martina Wenker, Vizepräsidentin der BÄK, beziehen Stellung zur European Medical School.

 

Zum Wintersemester 2012/13 startet die von den Universitäten Oldenburg und Groningen gegründete European Medical School. Sie bietet in Oldenburg jährlich 40 Medizinstudienplätze und ist nicht unumstritten.

Medical Tribune hat hierzu nicht nur in einem Interview mit Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister darüber gesprochen, sondern auch Mediziner Stellung nehmen lassen.


Pro:»Von großer Bedeutung für Oldenburg und Umgebung«

Contra: »Wir brauchen mehr denn je gut ausgebildete Mediziner«

Prof. Dr. med. Dr.
Klaus P. Kohse,
Institut für
Laboratoriumsmedizin,
Klinikum
Oldenburg

Der sechsjährige Modellstudiengang Humanmedizin an der European Medical School Oldenburg-Groningen zeichnet sich durch eine sehr frühzeitige Einbindung der Studenten in den ärztlichen Versorgungsprozess aus. Er enthält alle in der Approbationsordnung geforderten Inhalte im entsprechenden zeitlichen Umfang sowie forschungsorientierte Elemente, um die wissenschaftliche Basis des Arztberufs zu sichern. Mit der Universität Groningen verbinden uns bereits gemeinsame Forschungsprojekte (z.B. Mikrobiologie/ Epidemiologie). Kooperationen in der Krankenversorgung (z.B. Kinderherzchirurgie) finden statt und auch in der Lehre (Groninger Studenten werden in den drei Oldenburger Krankenhäusern unterrichtet) wird seit Langem effizient zusammengearbeitet. Der Studiengang wird für Oldenburg und die gesamte Region eine große Bedeutung besitzen, da auch weitere Krankenhäuser sowie die ambulante Versorgung vor Ort von der Ausbildung qualifizierter Ärzte profitieren werden. Kliniken sowie die KV haben bereits großes Interesse und die Bereitschaft zur Mitwirkung bekundet. Die in unseren Kliniken praktizierte Medizin wird eine große Bereicherung und das Lehr- und Forschungsprofil der Universität Oldenburg eine wertvolle Ergänzung erfahren. In der Partnerschaft mit der international hoch angesehenen Rijksuniversiteit Groningen sehe ich eine große Chance, die Versorgungsforschung als einen besonderen Schwerpunkt im Nordwesten zu verankern. Ich freue mich auf die ersten Studenten!

Dr. Martina
Wenker, Vizepräsidentin
der BÄK,
Präsidentin der
Ärztekammer
Niedersachsen

In Zeiten des Ärztemangels brauchen wir mehr denn je gut ausgebildete Mediziner. Wir begrüßen daher grundsätzlich die Bemühungen der niedersächsischen Landesregierung, die Medizinerausbildung an einem weiteren Standort zu etablieren. Ebenso wichtig ist uns, dass die Medizin-studierenden der European Medical School in Deutschland ihr Studium mit dem Staatsexamen abschließen müssen. Das einheitliche und hochwertige Medizinstudium mit dem Abschluss Staatsexamen muss erhalten bleiben, denn den hohen Qualitätsstandard, den die Gesellschaft zu Recht vom Studium der Medizin erwartet, kann eine Schnellausbildung zum Bachelor-Arzt nicht erreichen. Der wissenschaftliche Anspruch an das Medizinstudium und die gestiegenen Anforderungen an ein komplexes Krankheitsverständnis und multimodale Therapiekonzepte sind mit einem drei- bis vierjährigen Bachelor-Medizinstudium nicht vereinbar. Die Aufteilung in ein zweistufiges Studiensystem fußt auf dem Verständnis, dass man ein berufsfeld-bezogenes und ein wissenschaftliches Studium nacheinander absolvieren kann. Dies konterkariert aber die Approbationsordnung in Deutschland, deren Ziel es aus gutem Grunde ist, vom ersten bis zum letzten Semester eine tiefgreifende Verzahnung von theoretischen Grundlagen und klinischer Anwendung zu erreichen. Wichtig ist hierbei ein verstärkt praxisorientiertes Studium zur verbesserten Vorbereitung auf die Patientenversorgung. Unterhalb des Status der ärztlichen Approbation aber darf es keine Arztzulassung geben – auch nicht in Zeiten des Ärztemangels.

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