Mehr an die MFA delegieren

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

Hausärzte erhoffen sich Zeitersparnis und größere Arbeitszufriedenheit. © Fotolia/auremar

Die Verah könnte bei Diagnostik und Beratung dem Hausarzt reichlich Arbeit abnehmen. Davon sind zwei Drittel der Hausärzte überzeugt. Die Bereitschaft zur Delegation steigt mit der Arbeitsbelastung des Chefs.

Im Auftrag des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen hat das Institut für Allgemeinmedizin der Charité gut 2400 Hausärzte zu ihrer Bereitschaft zur Delegation befragt. Die Rückläuferquote von 31,7 % macht die Befragung repräsentativ.

Demnach bewerten zwei Drittel der Hausärzte es grundsätzlich positiv, ärztliche Leistungen zu delegieren. Die Mehrheit fühlt sich allerdings schlecht informiert über die bestehenden Möglichkeiten. Dennoch delegieren bereits 90 %.

HzV-Praxen sind positiver zur Delegation eingestellt

Die vorherrschende Praxisform ist mit 73 % die Einzelpraxis, wo mehrheitlich 860 bis 1300 Scheine pro Quartal abgerechnet werden. Die größeren Praxen sind der Studie zufolge zu 85 % in eher ländlichen Regionen angesiedelt. Hausärzte mit weniger als 860 Scheinen arbeiten durchschnittlich 47,5 Wochenstunden, die mit mehr Scheinen 52 Stunden. In Westfalen-Lippe nehmen mehr Ärzte an der Hausarztzentrierten Versorgung teil als in Nordrhein.

Je jünger die Ärzte sind, umso mehr Zeit bringen sie für adminis­trative Tätigkeiten auf und umso weniger Hausbesuche werden gefahren. Bei den Haus- und Heimbesuchen überwiegen mit 90 % die Routinebesuche. Je ländlicher die Region, desto mehr Hausbesuche werden gemacht. Insbesondere für Landpraxen sieht die Studie ein erweitertes Einsatzspektrum für MFA.

Die Studie zeigt auch: Je höher die Arbeitsdichte der Ärzte, desto höher erscheint deren Bereitschaft, Arbeit zu delegieren. In Gemeinschaftspraxen ist die Bereitschaft höher als in Einzelpraxen. Auch Praxen, die an der HzV teilnehmen, sind gegenüber der Delegation positiver eingestellt.

Statuserhebung, Tests, Beratung, Schulung, Besuche

In verschiedenen Bereichen sehen die Hausärzte Möglichkeiten zur Delegation. Bei der Diagnostik ist es die allgemeine Beurteilung des Patientenzustands durch den Einsatz standardisierter Anamnesebögen, die Erhebung des Impf- und Raucherstatus und der aktuellen Arzneimitteltherapie einschließlich der Selbstmedikation. Auch einfache Verfahren wie Hör- und Sehtests oder das Geriatrische Basisassessment seien delegierbar.

Im Bereich Beratung und Schulung wurde ein sehr hohes Delegationspotenzial ermittelt für die Durchführung von Schulungen (Dia­betes, Hypertonie), Unterstützung der Patienten bei notwendigen Lebensstiländerungen (Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte), Beratung zum Erhalt der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld (Hilfsmittel, Sturzprophylaxe) und Angehörigenberatung. All diese Leistungen könnten nach Auffassung von mehr als der Hälfte der Befragten sowohl in der Praxis wie auf Hausbesuchen delegiert werden.

Den größten Mehrwert der Delegation für sich sehen die Ärzte in der Zeitersparnis und einer höheren Arbeitszufriedenheit. Für die Patienten könnten kürzere Wartezeiten herauskommen. Fast 40 % sind zuversichtlich, dass sich ihre MFA für delegierte Tätigkeiten interessieren würden und dass dadurch auch ihre Arbeitszufriedenheit steigt.

Bedenken hat jeder fünfte Hausarzt wegen eines möglichen Mehraufwands in der Anfangsphase. Der geringste Teil hält die Delegation aus juristischen Gründen für riskant. Mehrheitlich fühlen sich die Haus­ärzte aber schlecht informiert über die Möglichkeiten der Delegation.

„Gerade in Zeiten, in denen Hausärzte fehlen und die alternde Gesellschaft mehr medizinische Versorgung benötigt, führt an der Delegation bestimmter Leistungen an qualifiziertes Personal kein Weg vorbei“, kommentiert der westfälische KV-Chef Dr. Wolfgang-Axel Dryden die Ergebnisse. Sein nordrheinischer Kollege Dr. Frank Bergmann hält „die Delegation für notwendig, um die ambulante Versorgung gerade in ländlichen Regionen aufrechtzuerhalten“. Sie müsse aber klare Regeln und Grenzen einhalten.