Mein Fall aus der Praxis: Mit Dreifachkombination das Blutdruckziel erreichen

Autor: Dr. Stefan Hansen

Nicht immer erreicht man bei Hypertonie mit leitliniengerechter Therapie den Zielblutdruck. Dann muss man Kompromisse eingehen, so die Erfahrung von Dr. Hansen

Der Hypertensiologe Dr. Stefan Hansen aus Würselen berichtet von einem Fall aus seiner Praxis: Bei dem 69-jährigen adipösen Patienten war seit 25 Jahren eine isolierte systolische Hypertonie bekannt. Abgesehen von seinem Taillenumfang von 112 cm wies er noch weitere Zeichen eines metabolischen Syndroms auf:

  • Nüchternglukose 113 mg/dl,
  • Triglyzeride (nüchtern) 252 mg/dl
  • HDL 39 mg/dl


Im Jahr 2012 trat bei dem Mann eine Amaurosis fugax auf. Ein Verschluss der rechten Carotis interna erforderte eine notfallmäßige Thrombend­arteriektomie. Bei der linksseitigen Carotis interna erfolgte wegen einer hochgradigen Stenose eine Patchplastik. Als der Patient in die Praxis kam, bestand seine antihypertensive Medikation aus täglich 10 mg Bisoprolol plus 20 mg Olmesartan. Darunter lag der Blutdruck-Tagesmittelwert bei 165/79 mmHg.


Der systolische Wert lag also deutlich über dem von der European Society of Hypertension (ESH) und der European Society of Cardiology (ESC) in ihren 2013 überarbeiteten Leitlinien empfohlenen Wert < 140 mmHg. Da in dieser Leitline darüber hinaus das metabolische Syndrom als relative Kontraindikation für Betablocker aufgeführt wird, gab es einen weiteren Grund, die antihypertensive Therapie umzustellen.


Auf Bisoprolol wurde also verzichtet, die Olmesartandosis auf täglich 40 mg erhöht und zusätzlich bekam der Patient 10 mg Amlodipin. Diese Dosis des Kalziumant­agonisten hat der Patient jedoch nicht vertragen, er bekam Ödeme.


Also erfolgte beim Amlodipin eine Reduktion der Dosis auf 5 mg. Dadurch schwanden zwar die Ödeme, aber der Zielblutdruck ließ sich mit der verringerten Amlodipin-Dosis nicht erreichen. Zum Ausgleich erhielt der Patient darum zusätzlich 25 mg Hydrochloro­thiazid. Alle drei Substanzen nahm er in fixer Kombination ein

Dr Hansen: „Bei isolierter systolischer Hypertonie die Diastole nicht zu stark absenken“

Zwar nennt die überarbeitete europäische Hypertonie-Leitlinie auch für Diuretika das metabolische Syndrom als relative Kontraindikation. Aber nur mit der Dreifachkombination kam der Patient in den Zielbereich: Der ABDM-Tagesmittelwert lag nun bei 139/65 mmHg.


Auf einen Punkt ist bei Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie und Gefäßschäden aber besonders zu achten: Um die Koronarperfusion zu erhalten, sollte der diastolische Druck nicht unter 60 mmHg sinken. Bei Dippern, also bei Patienten mit erhaltener nächtlicher Druckabsenkung, kann das besonders in der Nachtphase leicht geschehen. Daher gilt es, bei diesen Patienten speziell die nächtlichen ABDM-Werte im Auge zu behalten.



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