Mein Jahreshoroskop als Metaanalyse

Kolumnen Autor: Dr. Cornelia Tauber-Bachmann

Gerade am Jahresanfang droht Krankheit. Ach, echt? © Fotolia/santiago silver

Das Thema in unserer Praxiskolumne: Was bringt mir das Jahr 2018? Die Zeitungshoroskope verraten es mir.

Sind Sie gut ins neue Jahr gekommen? Sicher haben Sie aus Anlass des Jahreswechsels, wie das so üblich ist, innegehalten und überlegt, was uns das Jahr 2018 so bringen wird – für Sie persönlich, für Ihre Familie, Ihre Freunde, für unser Land und vielleicht für die ganze Welt. So ein bisschen hellseherische Fähigkeiten würden uns dabei natürlich gefallen ...

Zeitungsartikel mit Prognosen für 2018 von bekannten und weniger bekannten Astrologen sind mir (erfreulicherweise) dieses Jahr nicht untergekommen. Meist haben diese ja auch nur zur Folge, dass sie am Ende des jeweiligen Jahres kommentiert und für haltlos erklärt werden. Im Rückblick wissen wir ja alle, was passiert ist. Und so lautet die berühmte Aussage des dänischen Philosophen und Theologen Sören Kierkegaard: „Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muß man es aber vorwärts.“ Wie wahr und wie frustrierend manchmal!

Nachdem ich – wie fast alle Menschen – neugierig auf die Zukunft bin, konnte ich nicht widerstehen und habe angefangen, in meinem Wartezimmer die einschlägigen Zeitschriften zu sammeln und die Jahreshoroskope für mein Sternzeichen zu vergleichen. Die Struktur dieser Jahreshoroskope ist mit drei Themenbereichen sehr einfach: Beruf und Karriere, Liebe und Partnerschaft, Gesundheit.

Wie erwartet stimmten die Aussagen in den verschiedenen Zeitschriften nicht überein. Während mir die eine Zeitschrift eine steile Karriere voraussagte, die ich bitte nicht durch allzu forsches und eigenmächtiges Handeln boykottieren sollte, gab die andere zu bedenken, dass ich wohl im Herbst statt einer erwarteten Beförderung enttäuscht zurückstecken müsse. Während mir ein Horoskop das ganze Jahr eitel Sonnenschein in der Partnerschaft prophezeite, schrieb das andere von Krisen im Frühling und im Herbst/Winter des Jahres. Das könne sogar zu einer Trennung führen, zumindest zeitweise.

Dem Arzt bekommt es nicht gut, wenn er weiß, was die Zukunft bringt

Tipps, wie ich diese Krisen vermeiden könnte, fanden sich allerdings nicht. Einig waren sich die Astrologen nur bei dem Hinweis, ich solle auf meine Gesundheit aufpassen. Gerade am Anfang des Jahres. Bei den vielen Viren, die momentan meine Sprechstunde bevölkern, hätte ich auch selber draufkommen können!

Mit wem fahre ich aber nun in den Osterurlaub, wenn es in meiner Partnerschaft kriselt? Doch besser mit einer Freundin? Oder würde dies doch eher die Krise befördern? Ebenfalls schleierhaft ist mir, wohin mich die prognostizierte steile Karriere führen soll. Und dass ich als niedergelassene Ärztin nicht mehr befördert werde, sollte mich nicht enttäuschen, oder? Wie kriege ich das alles bloß 2018 unter einen Hut?

Faszinierend finde ich immer, wie diese Horoskope formuliert sind. Da werden vage Aussagen gemacht, die gleichzeitig suggerieren, dass sie sicher sind – und deshalb werden sie geglaubt. Ein Kunststück, das ich bewundere und auch gerne ein bisschen könnte. Denn die Patienten erwarten von uns oft eine Sicherheit, die wir ihnen von Rechts wegen gar nicht geben können. Ganz besonders hätten sie oder die Angehörigen gerne sichere Prognosen v.a. im Bereich der Onkologie und der Palliativmedizin. Und wir wissen, wie wenig wir wissen und wie ungenau unsere insgeheim erstellten Prognosen sind!

Wie im Märchen „Der Gevatter Tod“ bekommt es dem Arzt nicht gut, wenn er weiß, wer überleben und wer sterben wird. Denn er nutzt dieses Wissen zu seinem persönlichen Vorteil und lässt sich von Reichtum und Macht blenden. Und so ist es wahrscheinlich gut, dass wir nicht wissen, was uns das neue Jahr 2018 bringt: die große Koalition oder Neuwahlen, den Kollegen Lauterbach als Gesundheitsminister, doch noch die Bürgerversicherung oder gar eine neue GOÄ? In diesem Sinne:

PROSIT NEUJAHR!