Modellprojekt definiert Stufen zur koordinierten psychoonkologischen Versorgung

Gesundheitspolitik Autor: Anouschka Wasner

Prof. Dr. M. Hallek, PD Dr. M. Kusch, Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Kölner Uniklinik. © Michael Wodak

Eine in die biomedizinische Krebstherapie integrierte psychoonkologische Versorgung ist Bestandteil des Nationalen Krebsplans. Die Praxis dazu ist bundesweit jedoch auf recht unterschiedlichem Niveau. Ein vom Innovationsfonds in beachtlicher Höhe gefördertes Programm soll die flächendeckende Versorgung gestalten.

Psychoonkologische Maßnahmen sind aus dem therapeutischen Gesamtkonzept bei Krebs nicht mehr wegzudenken“, so Professor Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) an der Kölner Uniklinik. „Nicht geregelt ist aber der Leistungsumfang der psychoonkologischen Versorgung und die Vergütung durch die Krankenkassen.“ Deswegen soll jetzt im Rahmen des Projektes „Integrierte, sektorenübergreifende Psychoonkologie“ (isPO) ein gestuftes Vorgehen der bedarfsgerechten Versorgung von Krebspatienten entwickelt werden. Das Projekt wird an vier Standorten (CIO Köln und drei nicht universitäre Standorte) in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf umgesetzt, die Leitung liegt bei der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln in Kooperation mit Haus LebensWert e.V. Unterstützt wird das Programm vom Innovationsfonds der Bundesregierung mit 9,1 Millionen Euro. Es ist damit wohl das größte Projekt, das zur Psychoonkologie in Deutschland je durchgeführt wurde.

Versorgung in kleinen Praxen läuft eher unkoordiniert

Zwar gebe es grundsätzlich auch in der Leitlinie zur Psychoonkologie ein stufenweises Vorgehen, erklärt Priv.-Doz. Dr. Michael Kusch, Leiter des Schwerpunktes Psychoonkologische Versorgungsforschung im CIO Köln. Das funktioniere aber meist nur in großen Zentren – in kleinen Praxen oder ländlichen Regionen erfolge die Entscheidung, welcher Patient welche psychoonkologische Versorgung erhält, eher unkoordiniert.

Deswegen soll das Projekt isPO in den kommenden vier Jahren definieren, wie ein koordiniertes Vorgehen die Versorgungslage so gestaltet, dass flächendeckend jeder Patient seinem Bedarf entsprechend Informationen, psychosoziale und organisatorische Unterstützung oder psychotherapeutische Begleitung mit dem Ziel der Optimierung seiner Heilungschancen erhält.

Das Stufenmodell sieht vor, dass in einem ersten Schritt alle Patienten mit Krebsdiagnose Informationen und ein Gespräch mit einer psychosozialen Fachkraft oder einem Vertreter einer Selbsthilfegruppe zu Fragen „rund um den Krebs“ erhalten. Zeigt die Früherkennung, dass der Patient definierte psychosoziale Probleme mitbringt – wie etwa eine alleinerziehende Mutter mit Brustkrebs oder ein Patient mit leukozytärer Erkrankung in schlechten Wohnverhältnissen –, werden die Patienten zur nächsten Stufe vermittelt, wo sie von einer psychosozialen Fachkraft unterstützt und angeleitet werden.

Zeigen die Patienten starke Belas­tungsreaktionen der Angst und Depression, erhalten sie über die dritte Stufe den Zugang zu einer kontinuierlichen psychoonkologischen Begleitung durch einen Psychotherapeuten. „Diese psychotherapeutische Betreuung erfolgt somit im Auftrag des Arztes und wird dann vom Patienten anders wahrgenommen“, erklärt dazu Dr. Kusch.

Ende 2021 soll klar sein, wer welche Leistung braucht

Ziel des Projektes, an dem zwölf Partner aus allen Sektoren des Gesundheitswesens sowie drei große gesetzliche Krankenkassen mitwirken, ist es also, die Anforderungen an eine flächendeckende Versorgung im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich zu definieren und geeignete Strukturen, Prozesse und Leistungsumfänge in der intersektoralen Versorgung zu benennen, so Dr. Kusch, der den Antrag federführend verantwortet: „Idealerweise wissen wir Ende 2021, welcher Patient welche Leistung zu welchem Zeitpunkt erhalten muss, wer sie erbringt und wie sie vergütet wird.“

Bei Projektende ist eine Übertragung des isPO-Programms in das Gesundheitswesen sowie auf die Versorgung anderer – nicht onkologisch erkrankter – Patienten angestrebt.