Nicht einmal das Image wird gepflegt

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Bundesweit fehlen in den Krankenhäusern nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di 162.000 Stellen, davon alleine 70.000 in der Pflege. © iStock.com\Pablo_K

Fachkräftemangel in deutschen Krankenhäusern – in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Der Pflegeberuf schleppt – völlig unabhängig vom Thema Verdienstmöglichkeiten – ein gewaltiges Imageproblem mit sich herum. Umso ärgerlicher ist es da, wenn Politiker dann auch noch immer wieder mal so tun, als ob jedermann diesen Beruf ausüben könne. Unfassbar blöde Vorschläge haben bereits dementsprechende Schlagzeilen gemacht. So wurde beispielsweise der Einsatz von Strafgefangenen, Hartz-IV-Empfängern oder Prostituierten gefordert. Einziger Trost: Auch die Urheber derartigen Unsinns werden älter und benötigen dann qualifizierte Hilfe.

Prostituierte oder Knackis am Krankenbett?

Auf entsprechenden Erkenntnisgewinn können wir jedoch nicht warten. Pflege sollte wieder nicht nur Beruf, sondern vielmehr Berufung sein. Deshalb muss umgehend für mehr Attraktivität in diesem so wichtigen Arbeitsfeld gesorgt werden. Die Lage ist nämlich so ernst wie nie zuvor und sie wird sich angesichts des demografischen Wandels in den nächsten Jahren weiter verschärfen.

Bundesweit fehlen in den Krankenhäusern nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di 162 000 Stellen, davon alleine 70 000 in der Pflege. Nachts sei eine Pflegekraft im Durchschnitt für 26 Patienten verantwortlich. Besonders krass stellt sich der Fachkräftemangel in der Altenpflege dar. Laut einer Zwischenbilanz der Bundesagentur für Arbeit kommen in diesem Jahr auf 14 600 offene Stellen lediglich 3 000 arbeitslos gemeldete Altenpflege-Fachkräfte.

Wie extrem sich der eklatante Engpass im Alltag auswirkt, zeigte sich unlängst bei einer Ver.di-Aktion. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder dazu aufgerufen, im Krankenhaus die Hände so zu desinfizieren, wie es in den diesbezüglichen Vorschriften vorgesehen ist. In manchen Kliniken musste der Versuch nach noch nicht einmal zehn Stunden abgebrochen werden, weil der Betrieb daraufhin nicht mehr ordnungsgemäß aufrechterhalten werden konnte. Dass Pflegekräfte mittlerweile aufgrund umfangreicher Dokumentationspflichten mehr Zeit am Schreibtisch als am Krankenbett verbringen müssen, sorgt für zusätzlichen Stress.

Negative Berichterstattung in den Medien verhindert überdies, dass junge Leute sich für eine Ausbildung in diesem Bereich interessieren. Dabei lässt sich das Berufsbild keineswegs darauf reduzieren, dass alten, schwachen und kranken Menschen der Hintern abgewischt werden muss. Die Aufgaben des Pflegers sind weitaus komplexer und stellen vielmehr ein wichtiges Bindeglied zwischen Arzt und Patient dar!

PS: Der Gedanke, Prostituierten am Krankenbett zu begegnen, mag manchem älteren Herren vielleicht verlockend erscheinen. Die meisten von ihnen aber haben gewiss andere Sorgen – oder längst vergessen, welche Dienste die Damen in der Regel anbieten ...