Ostereier betupft, bis die Ulnararterie komplett dicht war

Autor: Prof. Dr. Viola Hach-Wunderle

Farbdoppler und MR-Angio zeigen den Verschluss der rechten distalen A. ulnaris © Professor Viola Hach-Wunderle, Frankfurt

Riskantes Hobby: Sozialarbeiter malte zu euphorisch und entwickelte ein ungewöhnliches Krankheitsbild.

Seit einem halben Jahr plagen den 40-Jährigen ziehende Schmerzen, die vom rechten Oberarm über Ellbogen und Handgelenk in den 4. und 5. Finger ausstrahlen, begleitet von einer Sensibilitätsstörung dieser beiden Finger.

Auswärts hatte ein MRT der Hand einen etwa 3 cm langen distalen Gefäßverschluss, fraglich der A. ulnaris, ergeben. Außerdem brachte der Patient den neurophysiologischen Befund einer erhöhten Irritierbarkeit des N. ulnaris bds ohne neurogene Ursache mit. Bei uns zeigte sich in der Untersuchung ein Klopfschmerz im rechten Karpaltunnel und ein Druckschmerz zwischen den Sehnen des vierten und fünften Fingers im Bereich der Mittelhand. Die A. ulnaris ließ sich beidseits nicht tasten, dopplersonographisch war ihr Druck aber nur rechts reduziert. Im farbkodierten Duplex fand sie sich distal verschlossen, was eine MR-Angio bestätigte.

Dieses als Hypothenar-Hammer-Syndrom bekannte, seltene Krankheitsbild trifft vor allem Männer im mittleren Lebensalter. Typisch sind segmentale Gefäßverschlüsse oder -anomalien mit korkenzieherartigen Kaliberschwankungen der Aa. ulnaris oder digitales. In der Regel liegen dem Syndrom jahrelange Vibrationstraumen des Os hamatum zugrunde.

Nun war unser Patient Sozialarbeiter im Jugendamt – völlig unfallfrei. Erst die Frage nach den Hobbys brachte uns weiter: Er bemalte leidenschaftlich gerne Ostereier. Und in seinem Fall war wohl die monotone Bewegung mit Betupfen/Beklopfen der Eier bei Abstützung auf Kleinfingerballen und 5. Finger schuld.

Therapeutisch kommen durchblutungsfördernde bzw. gerinnungshemmende Substanzen wie Prostaglandin E1 bzw. Heparin und/oder Thrombozytenaggregationshemmer infrage. Bei digitaler Ischämie mit Nekrosen oder Anomalien der A. ulnaris mit hohem Embolierisiko bietet die segmentale Exzision der Arterie mit anschließendem Veneninterponat einen Ausweg..Bei unserem Patienten genügte die passagere Schmerzmitteltherapie, gefolgt von einer längerfristigen Gabe von ASS. Das Hobby musste aufgegeben werden.

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© Professor Viola Hach-Wunderle, Frankfurt
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