Rauchen - Zug für Zug ins Verderben

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Der Genuss von Tabakwaren ist nach wie voreiner der größten Risikofaktoren für einen vorzeitigen Tod. © fotolia/Rainer Fuhrmann

Die fatalen Folgen des Rauchens - in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Weltweit stirbt jeder Zehnte an den Folgen des Rauchens, hierzulande sogar jeder Siebte. Das ist das Ergebnis einer Studie, die unlängst in der renommierten britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden ist. Der Genuss von Tabakwaren ist damit nach wie vor einer der größten Risikofaktoren für einen vorzeitigen Tod. Auch wenn die in der Studie verwendeten Daten aus dem Jahr 2015 stammen, dürften sich die Zahlen bis heute kaum geändert haben. Demnach sind aktuell rund 6,4 Millionen Todesfälle pro Jahr weltweit auf das Rauchen zurückzuführen.

Im Vergleich zum Jahr 2005 entspricht das einem Anstieg um fast fünf Prozent. Insgesamt raucht auf dem Globus rund eine Milliarde Menschen. Deutschland gehört der Lancet-Studie zufolge zu den zehn Ländern mit der höchsten Anzahl an Rauchern.

"Deutschland gehört zu den Top 10 der Rauchernationen"

Wie bekloppt also muss man sein, dem Laster mit den Glimmstengeln trotz Kenntnis der damit verbundenen Gefahren weiterhin zu frönen, Krankheit und Tod dafür in Kauf zu nehmen? Nun, der Wille zum Aufhören ist vorhanden. Jedes Jahr versuchen 7,6 Millionen Menschen in Deutschland das Rauchen aufzugeben. Mit minimalem Erfolg allerdings, denn nur drei Prozent aller Entwöhnungen sind erfolgreich, besagen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Dauerhafte Abstinenz ist eben schwierig, auch wenn die meisten Raucher der Illusion anhängen, sie könnten es jederzeit stoppen. Fünfzig bis sechzig Prozent der Raucher sind wirklich abhängig, sie können nur mit größten Schwierigkeiten aufhören. Noch nicht einmal jeder Dritte schafft es mithilfe qualifizierter psychologischer Unterstützung. Das klingt wenig und ist doch viel, verglichen mit den zahlreichen vergeblichen "kalten" Entzügen, wie Spezialisten den spontanen Entschluss ohne lange Vorbereitung und ohne Hilfe von außen nennen.

Mit fachlicher Hilfe ist das Abgewöhnen erheblich leichter. Wer aber in Deutschland solche Hilfe sucht, hat meist Pech. Während es beispielsweise in Großbritannien ein gut ausgebautes, flächendeckendes Beratungssystem gibt, wird in Deutschland die Tabak-Abhängigkeit noch nicht einmal als behandlungsfähige Krankheit anerkannt.

"Mit etwas Glück hat der Hausarzt Erfahrung mit Suchtpatienten"

Tatsächlich ist meist noch nicht einmal eine Liste qualifizierter Ärzte oder Ambulanzen in Sachen Raucherentwöhnung zu bekommen. Wer Hilfe sucht, geht hierzulande am ehesten zum Hausarzt und hat Glück, wenn der über Erfahrung im Umgang mit Suchtpatienten verfügt. Vielleicht sollten wir einen neuen Weg beschreiten und auf das Erziehungsmittel für Erwachsene setzen: Geld.

Schweizer Forscher haben festgestellt, dass sich die Abstinenzrate von Nikotinsüchtigen verbessern lässt, wenn man ihnen nach der Dauer ihrer Enthaltsamkeit etappenweise Finanzspritzen verpasst. Das hat deutlich mehr Raucher zum Verzicht motiviert. Allerdings nur solange der Studien-Geldhahn sprudelte – danach widmeten sich die meis­ten wieder ihrer Sucht. Einen Versuch sollten wir dennoch wagen. Ich würde sogar mitmachen.