Schon wieder eine Zahnbürste verschluckt! Platzt jetzt der Urlaub?

Kasuistik Autor: Dr. med. Rolf Holbe

Patientin hatte eindeutig Schwertschluckerqualitäten © fotolia/Nik_Merkulov; Dr. med. Rolf Holbe

Wochenend­dienst in einem kleinen lokalen Krankenhaus – das weckt leise Hoffnungen auf eine ruhige Kugel. Doch man ist nirgendwo vor Überraschungen gefeit ...

Ein Ehepaar stellte sich im Dienst in der Klinik vor und berichtete, dass die Frau eine Zahnbürste verschluckt habe. Außerdem wollten die beiden in wenigen Tagen in den Urlaub fliegen. Aus meiner Zeit in einer Berliner Notaufnahme war ich einiges gewohnt, aber das schien mir zunächst etwas absurd. Doch auf meine kritische Nachfrage hin bekam ich eine Laparotomie­narbe gezeigt – da hatte schon mal der Chirurg eine Zahnbürste rausgeholt.

Geübt durch zahlreiche Gastroskopien kam ich zu dem Schluss, mir das Ganze mal anzusehen. Die Patientin war einverstanden und die Endoskopieschwester stand auch schon bereit.

Die Gastroskopie war nur mit Rachenanästhesie eine Bagatelle. Die Frau hatte eindeutig Schwertschluckerqualitäten ... Tja – und da lag dann die Zahnbürste, an der großen Kurvatur und zum Glück mit den Borsten nach oben. Also habe ich die Borsten mit der Zange gefasst und Gerät mit Zange langsam gezogen. Es gab einen kleinen Kratzer am Gaumen, weil die normal lange Zahnbürste nicht so ganz um die Rachenbiegung kam.

Das Ehepaar ging glücklich nach Hause, der Urlaub war gerettet. Die Zahnbürste durfte ich behalten und gab sie bei der Dienstbesprechung meinem Chef.

Einige Jahre später leitete ich als Bereitschaftsarzt des DRK einen großen Erste-Hilfe-Kurs. Um das Thema aufzulockern und die Angst vor Endoskopien zu nehmen, gab ich die Geschichte zum Besten, versuchte aber, sie zu verfremden, indem ich von einem Mann sprach und Details veränderte. Da meldete sich einer der Teilnehmer und sagte: „Das war meine Frau.“

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