Sie wollen den Arzt ersetzen

Gesundheitspolitik Autor: Thomas Trappe

Ministerium und Krankenhäuser versprechen sich etwas vom Physician Assistant. © fotolia/Björn Professional

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen fürchtet die Aushöhlung ärztlicher Entscheidungshoheit durch Physician Assistants (PA). Im Gesundheitsministerium gebe es entsprechende Bestrebungen.

Der KBV-Vorsitzende befürchtet, dass mit der Etablierung der neuen Arztassistenten die Substitution ärztlicher Leistungen vorangetrieben werden könnte. Er verweist dabei auf das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Dort „wollen sie glasklar die Substitution“, so Dr. Gassen. Es sei in dieser Beziehung schon „fast egal, wie die Regierung letztlich aussehen wird“. Man solle sich keine Illusionen über die Wertschätzung von Ärzten im BMG machen.

Im Ministerium spricht man von „ärztlichem Dünkel“

So sei von ranghöchsten BMG-Mitarbeitern in seiner Gegenwart schon vom „ärztlichen Dünkel“ gesprochen worden, berichtet der KBV-Chef. „Es gab unter anderem den Vorschlag, künftig Diabetesassistenten die Diabeteseinstellung machen zu lassen.“ Die Bestrebungen, PAs in Deutschland zu etablieren, wiesen in die gleiche Richtung, so Dr. Gassen. PAs könnten Ärzte nicht nur teilweise substituieren, sondern von Kliniken auch als Einsparfaktor betrachtet werden.

Die These scheint nicht ganz unberechtigt, wie Professor Dr. Thomas Karbe deutlich macht. Prof. Karbe unterrichtet an der Steinbeis-Hochschule Berlin im Bachelor-Studiengang PA; Grundlage ist ein von KBV und Bundesärztekammer erarbeiteter Ausbildungskatalog. Er schließt nicht aus, dass Krankenhäuser lieber zwei PAs als einen Arzt einstellen könnten. „Diese Entscheidung trifft der Kaufmann“, sagte er.

In seinem Vortrag auf dem Orthopädenkongress betonte Prof. Karbe, dass Oberärzte und Chefärzte hier­archisch über den PAs angesiedelt seien – Assistenzärzte erwähnte er dabei ausdrücklich nicht. „Der Assis­tenzarzt ist kein Facharzt“, präzisierte Prof. Karbe daraufhin. „Und Entscheidungen trifft nur ein Facharzt.“ Professor Dr. Christoph Lohmann, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, äußerte daraufhin die Sorge, dass „Kliniken sich überlegen werden, ob sie überhaupt noch Assis­tenzärzte ausbilden oder diese nicht durch PAs substituieren“.

Berufsanerkennung wird das Ausbildungsinteresse forcieren

Prof. Karbe geht davon aus, dass in den kommenden Jahren die kos­tenpflichtige PA-Ausbildung stärker nachgefragt wird. „Wir hoffen auf die Berufsanerkennung im Jahr 2020“, sagte er. „Das ist eine zukunftsweisende Spezialisierung.“

In der Orthopädie und Unfall­chirurgie könnten PAs unter anderem bei der Befunderhebung und -beurteilung tätig werden, als Assis­tenten bei Operationen oder bei der Ausarbeitung von Therapieempfehlungen. Aber auch, so Prof. Karbe, in der „organisatorischen Leitung einer Ambulanz oder Praxis“.