Telemedizin befähigt Patienten, ihre Medikation zu managen

Autor: REI

Die telemedizinische Betreuung von oral antikoagulierten Patienten erhöht deren Compliance und Lebensqualität. Nun sollen die Krankenkassen in Sachsen für ein Integrationsversorgungsprojekt gewonnen werden.

Mit 1300 Patienten hat das Ins<discretionary-hyphen />titut für Angewandte Telemedizin (IFAT) am Herz- und Diabeteszentrum Nord<discretionary-hyphen />rhein-Westfalen in Bad Oeynhausen die telemedizinische INR-Kontrolle bereits erprobt. Die Ergebnisse haben IFAT-Leiter Dr. Heinrich Körtke so sehr überzeugt, dass daraus ein Konzept für eine Integrationsversorgung (IV) entstanden ist. Das stellte er bei einer Presseveranstaltung von Roche Diagnostics in Frankfurt/Main vor: Patienten, die dauerhaft Phenprocoumon einnehmen müssen, sollen ein Jahr lang bei ihrer INR-Selbstkon<discretionary-hyphen />trolle ärztlich geführt und telemedizinisch betreut werden. Nach dem Jahr beherrschen gut 80<nonbreaking-space />% der Patienten ihr Gerinnungs-Selbstmanagement, verspricht der Oberarzt. Sie sind dann „Experten in eigener Sache“ geworden. Das heißt: Sie können die INR-Messungen und ggf. notwendigen Dosierungsanpassungen des Vitamin-K-Antagonisten selbst vornehmen, um den von ihrem Arzt bestimmten Therapiebereich einzuhalten und so das Risiko von thromboembolischen Ereignissen und Blutungskomplikationen zu reduzieren. Bei konventionell behandelten Patienten, die alle vier bis sechs Wochen eine INR-Bestimmung und eine eventuell nötige Dosisanpassung in der Arztpraxis vornehmen lassen, gelingt die Einhaltung des therapeutischen Bereichs nur in knapp 60<nonbreaking-space />% der Fälle. Bei den telemedizinisch unterstützten Patienten stellte das IFAT fest: Über 70<nonbreaking-space />% der Befragten fühlten sich sicherer bezüglich der selbst gemessenen INR-Werte und der Dosisanpassung. Fast genauso viele erklärten, ihre Angst vor Komplikationen durch die persönliche und engmaschige Betreuung besser bewältigen zu können.

Gerinnungswert wird<forced-line-break />per SMS weitergeleitet

Das IV-Konzept sieht vor: Die Patienten erhalten neben dem Messgerät Coaguchek® (Voraussetzung: nachgewiesene Patientenschulung und bestätigter Kostenübernahmeantrag der Krankenkasse) und den Messtreifen (Arzneimittelverordnung) ein vom IFAT entwickel-<forced-line-break />tes Datenübertragungsgerät. Dieses wird neben das Messgerät gelegt und sendet den einmal pro Woche gemessenen INR-Wert per SMS an das IFAT. Dort wird eine elektronische Patientenakte geführt. Ist der INR-Wert auffällig, wird Kontakt zum Patienten aufgenommen und ein Besuch bei seinem Hausarzt oder Internisten empfohlen. Der betreuende Arzt wird vom IFAT monatlich über die registrierten Werte informiert, damit er seinerseits ein Feedback an den Patienten gibt und Dosisanpassungen mit ihm bespricht. Außerdem bietet das IFAT sechs zehnminütige Patientenschulungen zu Aspekten wie Essen, Trinken, Sport und Medikamenteninteraktionen an. Mit der KV in Sachsen hat es bereits erste Gespräche gegeben, berichtete Dr. Körtke in Frankfurt. Jetzt will er dort auch AOK & Co. von seiner IV-Idee überzeugen. Einen ersten Mitstreiter hat er in dem Dresdner Kardiologen Dr. Hartmut Hohensee. Dieser hat bereits zehn Patienten, die die telemedizinische Technik nutzen; 200 bis 250 Patienten mit dauerhafter Antikoagulation betreut er in seiner Einzelpraxis. Telemedizin kann helfen, Versorgungsprobleme im ländlichen Raum zu mindern, meint Dr. Hohensee und denkt dabei an Gebiete wie die Uckermark, wo Ärzte knapp sind und Patienten weit verstreut leben.

Integrationsversorgung<forced-line-break />senkt Klinikausgaben

Etwa 600 Euro pro Patient müsste sich eine Krankenkasse die einjährige telemedizinische Betreuung von Phenprocoumon-Patienten kosten lassen, kalkuliert Dr. Körtke. Damit muss das Datenübertragungsgerät und der Service in Bad Oeynhausen finanziert werden; 10 Euro pro Monat könnte das IV-Honorar für den vor Ort betreuenden Arzt betragen (zusätzlich zum EBM-Honorar). Für die Krankenkasse wird sich das Angebot trotzdem aufgrund vermiedener Kranken<discretionary-hyphen />hausbehandlungen schnell amortisieren, ist der Oberarzt überzeugt. Er schätzt, dass hierzulande mindestens 800<nonbreaking-space />000, eher 1,2 Millionen Patienten auf die dauerhafte Einnahme von Gerinnungshemmern angewiesen sind.<right-indent-tab />