Von der Ultraschallkontrolle nach Mammakarzinom in den Herz-OP

Kasuistik Autor: Christopher Schneeweis

© CBC Frankfurt/Medical Tribune

Der nachfolgende Fall einer 65 jährigen Patientin von Dr. Christopher Schneeweis zeigt, dass eine unklare Rechtsherzvergrößerung einer Abklärung bedarf, auch im höheren Alter.

Eigentlich kam die 65-Jährige nur zur echokardiographischen Verlaufskontrolle nach erfolgreich behandeltem Mammakarzinom. Doch jetzt fiel plötzlich eine Vergrößerung des rechten Ventrikels bei bereits langjährig bekanntem leicht erhöhtem pulmonal-arteriellem Druck auf.

Klinische Kontrollen blieben weitestgehend unauffällig

Klinisch bestand aktuell eine Dyspnoesymptomatik im Stadium NYHA II. Vor circa vier Jahren durchlief die Frau wegen der leichtgradigen pulmonalen Hypertonie bereits eine erweiterte Dia­gnostik mit Thorax-CT und Differenzierung der Sauerstoffsättigung im venösen und arteriellen System. Damals ließ sich eine Lungenarterienembolie ausschließen, die Befunde deuteten auf ein mögliches Shuntvitium hin. Die Patientin war aber zu diesem Zeitpunkt asymptomatisch und normal belastbar, sodass auf ihren Wunsch zunächst auf eine weiterführende Abklärung verzichtet wurde. Die regelmäßigen klinischen Kontrollen blieben unauffällig und zeigten allenfalls eine leichte pulmonale Hypertonie.

 

Aufgrund der nun deutlichen rechtsventrikulären Vergrößerung mit moderater pulmonal-arterieller Hypertonie und der jetzt auch bestehenden klinischen Symptomatik ergab sich die Indikation zur weiteren Diagnostik. Die durchgeführte kardiale Magnetresonanztomographie bestätigte die deutliche Rechtsherzvergrößerung und zeigte eine fehleinmündende obere rechte Pulmonalvene in die Vena cava superior. Die Shuntbestimmung offenbarte einen hämodynamisch relevanten Shunt, der somit die Dilatation erklärte.

Wir überwiesen die Patientin an die Herz-Thorax-Chirurgie zur Revision. Die Kollegen konnten die Lungenvenenfehleinmündung erfolgreich operativ korrigieren und verschlossen einen zusätzlichen Atrium-Septum-Defekt (ASD). Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos.

Unklare Rechtsherzvergrößerung bedarf weiterer Abklärung

In der kardiologischen Verlaufskontrolle zeigte sich bereits zwei Monate später eine klinische Verbesserung mit Normalisierung des rechten Ventrikels und normalem pulmonal-arteriellem Druck. Unser Fall demonstriert eindrücklich, dass eine unklare Rechtsherzvergrößerung einer weiteren Abklärung bedarf, auch im höheren Alter. Singuläre fehleinmündende Pulmonalvenen bleiben oft bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter und teilweise lebenslang asymptomatisch.

Im Verlauf kann es jedoch durch den chronischen Shunt zu einer behandlungspflichtigen Rechtsherzbelastung und pulmonalen Hypertonie kommen. Häufig findet sich ein begleitender ASD. Die MRT-Diagnostik erlaubt eine sehr differenzierte Analyse des linken und rechten Ventrikels und hilft dabei, einen relevanten Shunt aufzudecken. 


Quelle: Axel Schmermund, Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt


Das Echo zeigt den vergrößerten rechten Ventrikel mit pulmonal-arterieller Hypertonie © CBC Frankfurt
Das MRT brachte die Fehleinmündung der oberen rechten Pulmonalvene in die Vena cava superior ans Licht © CBC Frankfurt
Das MRT brachte die Fehleinmündung der oberen rechten Pulmonalvene in die Vena cava superior ans Licht © CBC Frankfurt
Nach zwei Monaten stellt sich der rechte Ventrikel wieder in gesunder Größe dar, der pulmonal-arterielle Druck liegt im Normbereich © CBC Frankfurt