„Wildwest in der Augenarztpraxis“: Erpresserische Verkaufsstrategien bei IGeL

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Immer das Geld im Blick, da kann die Marketingstrategie schon einmal aggressiver ausfallen. © iStock/tibor13

Patienten werden vielfach Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) ohne korrekte Aufklärung und geradezu erpresserisch aufgedrückt, kritisiert der Medizinische Dienst. Im Fokus der Kritik stehen Augenärzte.

Von „Wildwest in der Augenarztpraxis“ spricht Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Dies betreffe eine „relevante Anzahl“ niedergelassener Ophthalmologen. Manche würden sogar renitent auftreten, wenn die Kassenärztliche Vereinigung oder Ärztekammer einschritten. So durfte eine Patientin nach ihrer Beschwerde bei der KV die Praxis nicht mehr betreten, auch nicht als Begleitung ihrer Tochter.

Bei Selbstzahlerleistungen sind Hausärzte unauffällig

Weitere Zumutungen sind: Behandlungen werden davon abhängig gemacht, ob der Patient bereit ist, kostenpflichtige Leistungen in Anspruch zu nehmen. Die Aufklärung erfolgt erst, nachdem pupillenerweiternde Mittel verabreicht wurden. Krankenkassenleistungen werden als IGeL angeboten.

Dr. Pick fordert die Ärzte auf, zu dem zurückzukehren, was u.a. im Patientenrechtegesetz und im Bundesmantelvertrag für Ärzte vorgeschrieben ist. Sich nicht auf dem Boden des Rechts zu bewegen, verschlechtere nur das Arzt-Patienten-Verhältnis. Der MDS-Chef betont aber auch, dass nicht alle Fachgruppen mit unkorrekten Angeboten von Selbstzahlerleistungen auffallen. Hausärzte zum Beispiel würden bei IGeL eher zurückhaltend sein.

Anders die Augenärzte. Auf sie haben sich die Macher des zum MDS gehörenden IGeL-Monitors jetzt konzentriert – nicht zuletzt wegen 6000 Zuschriften zu augenheilkundlichen Themen (40 % aller Zuschriften). Zudem finden sich in der Top-10-Liste der am häufigsten nachgefragten IGeL drei aus dem Augenarztbereich. Dabei hat der IGeL-Monitor z.B. 2015 die Kombination aus Augenspiegelung und Messung des Augeninnendrucks zur Glaukomvorsorge als „tendenziell negativ“ eingestuft.

Auch die Optische Kohärenztomographie (OCT) steht auf der Angebotsliste der Augenärzte weit oben. Etwa 80 % aller Augenarztpraxen bieten diese in Leitlinien nicht zur Früherkennung empfohlene und vom IGeL-Monitor zur Glaukom Früherkennung ebenfalls als „tendenziell negativ“ bewertete Leistung an.

Laut Dr. Pick setzen Praxen mit IGeL jährlich insgesamt eine Mrd. Euro um. Sie würden damit oft „vom Arzt zum Verkäufer“. 51 Leistungen hat der IGeL-Monitor inzwischen bewertet. Keine einzige erhielt das Prädikat „positiv“.

Quelle: Pressekonferenz des MDS