Elektrisierende Aussichten für den Darm: Vagusnervstimulation lindert Crohn und Colitis

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Für Patienten mit Morbus Crohn könnte es bald eine neue Therapieoption geben. © fotolia/Juan Gärtner

Die Stimulation des Nervus vagus erzielt antiinflam­matorische Effekte und könnte so eine Option für Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sein. Getestet wurde die Methode bisher bei moderaten Verläufen.

Etwa 2,2 Millionen Menschen in Europa leiden an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die Therapie erfolgt je nach Ausmaß der Erkrankung medikamentös oder chirurgisch. Da es infolge der medikamentösen Behandlung unter anderem zu ungewollten Infektionen, Lymphomen und Hauttumoren kommen kann, sind nebenwirkungsfreie Alternativen gefragt.

Therapie bewährt bei Epilepsie und Depression

Eine solche könnte die Vagusnervstimulation darstellen, da die afferenten sowie efferenten Fasern des zehnten Hirnnervs antiinflam­matorische Fähigkeiten ausüben (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bzw. anti-TNF-α-Effekt auf den cholinergen antientzündlichen Signalweg). Diese Technik hat sich bereits als Therapiemethode bei Epilepsien und Depressionen etabliert.

Einen antiinflammatorischen Effekt auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen konnten unlängst Schweizer Wissenschaftler in Tierversuchen mit Ratten nachweisen. Dieses Ergebnis ließ sich in einer Pilotstudie mit sieben Patienten, die an einer moderaten chronisch entzündlichen Darmerkrankung litten, replizieren.

Dazu implantierten Professor Dr. Bruno­ Bonaz­ von der Hepato-Gastrologischen Universitätsklinik Grenoble Alpes und seine Kollegen den Probanden einen Neurostimulator und eine Neurostimulationssonde. Die Stimulation erfolgte mit einer Intensität von 0,5–1,5 mA und einer Frequenz von 10 Hz über eine Sequenz von 30 Sekunden, auf die eine fünfminütige Pause folgte. Bei zwei Patienten scheiterte der Therapieversuch nach drei Monaten. Die restlichen fünf Teilnehmer blieben jedoch auch nach sechs Monaten in vollständiger Remission (klinisch, biologisch sowie endoskopisch) und wiesen einen wiederhergestellten vagalen Tonus auf. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.

Laut den Autoren könnte auch eine nicht-invasive Vagusnervstimulation eine Option bieten. Der Vorteil wäre, dass man auf eine Operation verzichten könnte. Der Nachteil, dass die Adhärenz der Patienten nicht garantiert sei. Studien hierzu stehen noch aus.

Quelle:
1. Bonaz B et al. J Intern Med 2017; 282: 46-63
2. Bonaz B et al. Front Immunol 2017; 8: 1452