Der Liebe und der HzV wegen aufs Land

Niederlassung und Kooperation Autor: Klaus Schmidt

Allgemeinmediziner Dr. Thomas Bethke wagt einen Neuanfang in Baden-Württemberg. © fotolia/Kzenon

Mit Anfang 50 kann man einen Standortwechsel durchaus noch wagen, findet Hausarzt Dr. Thomas Bethke. Er verlässt den Speckgürtel Münchens und beginnt im Sommer im Zollernalbkreis von vorne. Für den Wechsel sprechen seiner Meinung nach auch die attraktiveren Hausarztverträge in Baden-Württemberg.

Der Verkauf seiner Praxis in Gilching im Landkreis Starnberg (das ist der Landkreis mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen bundesweit) war für den Allgemeinarzt kein Problem; es fand sich rasch ein passender Interessent. In Geislingen (etwa 60 Kilometer südlich von Stuttgart) übernimmt Dr. Bethke keine bestehende Praxis, sondern er bezieht neue Wohn- und Praxisräume. Sein Leistungsangebot wird dem in Gilching ähneln; vier Helferinnen werden mitarbeiten.

Bis zu 30 000 Euro Förderung erleichtern den Umzug

Dr. Bethkes 14-jährige Tochter zieht ebenfalls gerne mit, nachdem sie festgestellt hat, dass man auch auf der Schwäbischen Alb gut leben kann. Kommentar des Arztes: "Ich freue mich." Welche Unterstützung es in baden-württembergischen Kommunen für Praxisgründungen und -übernahmen gibt, listet der Hausärzteverband auf seiner Homepage zur "Perspektive Hausarzt" auf.

Im Fall von Geislingen heißt das: Die Niederlassung wird vom Land mit bis zu 30 000 Euro gefördert. Angeboten wird ferner die Vermittlung von Praxisräumen in zentraler Lage, qualifiziertem Personal sowie "Wohnraum/günstige städtische Bauplätze in sehr attraktiver Lage". Unterstützung im Zulassungsverfahren und in der Öffentlichkeitsarbeit gibt es dazu.

Auch die von Hausärzteverband und Medi Baden-Württemberg ausgehandelten und betreuten Hausarztverträge haben den Wechsel leicht gemacht. Dr. Bethke hält sie für günstiger als die bayerische Variante: Es gebe fast 20 % mehr pro Schein. Von zehn Hausärzten in seiner Umgebung in Gilching mache nur einer bei der bayerischen HzV mit. Der Vertrag des Bayerischen Hausärzteverbandes war jahrelang durch die AOK, der fast 50 % der GKV-Versicherten im Freistaat angehören, blockiert worden.

Den Ausschlag für Dr. Bethkes Wechsel gaben zunächst private Gründe, nämlich die Lebenspartnerin, die aus Baden-Württemberg stammt. Als der Kollege bei einer Prüfung der -ärztlichen Versorgung vor Ort feststellte, dass er sich in Geislingen als Hausarzt deutlich besser stellen würde als in Bayern, war die Entscheidung gefallen: In Gilching mit 18 000 Einwohnern kämpfen zehn Hausärzte um die Patienten, in Geislingen mit 6000 Einwohnern gibt es nur einen, der die Versorgung sichert. "Für mich gibt es dabei kein Risiko. Für alle Beteiligten ist es eine Win-win-Situation, alle sind zufrieden", so Dr. Bethke.

Gute Bedingungen für die eigene Praxis auf dem Land

Es sei ihm schleierhaft, sagt er, warum junge Ärzte sich so ungern auf dem Land niederlassen. Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Die HzV trägt wesentlich dazu bei, argumentiert der Hausärzteverband, die Attraktivität des Hausarztberufs wieder zu erhöhen und somit einem Hausärztemangel in Baden-Württemberg entgegenzuwirken. Zuwanderer Dr. Bethke ist dafür ein Beispiel.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht