Neue Leistungen und mehr Geld für die HzV

Abrechnung und ärztliche Vergütung , Kassenabrechnung Autor: Michael Reischmann

BKKen in Baden-Württemberg satteln drauf. © fotolia/Andrey Popov

Neue, teilweise an die Verah delegierbare Leistungen und eine lineare Erhöhung der Vergütungen um rund 6,5 % zum 1. Juli – mit dieser Vereinbarung wollen die Betriebskrankenkassen in Baden-Württemberg zeigen, dass ihnen die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) wichtig ist.

Dr. Berthold Dietsche, Chef des Hausärzteverbandes Baden-Würt­temberg, scheut den Vergleich mit den jährlichen Honorarsteigerungen im KV-System nicht. Dort bewege sich der Fallwert nach wie vor zwischen 60 und 65 Euro. "Der durchschnittliche Fallwert des BKK-VAG-Vertrags hingegen stieg innerhalb von fünf Jahren von 68 Euro 2011 auf knapp 80 Euro im Jahr 2016 an. Das sind über 17 %", betont er.

"Die aktuelle Erhöhung der Grundpauschalen war aus ärztlicher Sicht dennoch längst überfällig", so Dr. Dietsche. Denn darin spiegelten sich die gestiegenen Kosten wider. "Letztendlich haben die am Vertrag teilnehmenden 53 Betriebskrankenkassen der BKK-Vertragsarbeitsgemeinschaft ein großes Interesse, die hausärztliche Versorgung im Flächenland Baden-Württemberg attraktiv zu gestalten und damit ihren Beitrag an der Sicherung der wohnortnahen hausärztlichen Versorgung zu leisten", erklärt Dagmar Stange-Pfalz, Vorständin der BKK VerbundPlus und Vorsitzende des Vertragsausschusses der BKK-VAG.

Sie ist sich mit ihrer Kollegin Dr. Gertrud Prinzing, Vorständin der Bosch BKK, einig, dass die für die nächsten vier Jahre getroffenen Regelungen ein guter Mix aus Erhöhung der Bestandsvergütungen und neuen Versorgungsangeboten sind.

Module zu Adipositas und Diabetes

Zum 1. Juli 2017 werden vier neue Leis­tungskomplexe in die HzV eingeführt. Dazu gehören z.B. eine spezielle Beratung für Patienten mit Adipositas (Vergütung: 25 Euro pro Versicherten) sowie das Modul "Verah TopVersorgt", eine intensivierte Betreuung durch die Versorgungsassistentin für Patienten mit höhergradiger Herzinsuffizienz bzw. Diabetes mellitus Typ 2 mit Komplikationen (50 Euro im ersten Quartal, 30 Euro in den Folgequartalen).

"Die Module beinhalten eine Reihe von Maßnahmen, die über die Regelversorgung hinausgehen", unterstreicht Dr. Prinzing. "Das ausführliche ärztliche Beratungsgespräch und die kontinuierliche motivierende Begleitung in der Hausarztpraxis werden ergänzt durch die unterstützende Beratung der Krankenkasse." Dr. Werner Baumgärtner, Chef von Medi Baden-Württemberg, weiß, dass solche "individuellen Lösungen" zur Weiterentwicklung der HzV "in den Praxen nicht immer beliebt" sind. Aber sie förderten die Akzeptanz der Verträge in den Gremien der Kassen und bei deren Aufsichtsbehörden. "Zudem bin ich für jede Stärkung der ärztlichen Delegation, weil sie die gefährliche politische Diskussion um Substitution ärztlicher Leistungen durch andere Berufsgruppen überflüssig macht."

Dr. Dietsche freut sich, dass "der Weg zur Teampraxis, in der der Arzt Leistungen an gut qualifiziertes und weitergebildetes Personal überträgt", nun auch – im Zugwind der AOK – von den BKKen gewürdigt und honoriert wird; das sei "ein großer und zukunftsweisender Erfolg".

Quelle: Medical-Tribune-Bericht


Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg © privat