Kollege gibt Tipps zu Delegation, Verordnung und Patientenkartei

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Anke Thomas, Foto: Thinkstock

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In der Gemeinschaftspraxis von Dr. Wolfgang Schneider-Rathert macht die Arbeit dank guter Organisation wieder Spaß. Und das Honorar stimmt auch.

 

Der Kollege Dr. Schneider-Rathert kennt die Widrigkeiten einer Praxis. Darunter besonders: Bürokratie, die Versorgung viel zu vieler Patienten oder auch Regressängste. Das war insbesondere in den Anfangsjahren sehr bedrückend. Zwar konnte der existenzbedrohende Regress nach vielen Verfahrensjahren letztlich abgewendet werden, aber würde das immer wieder gelingen?

Strenge Bindung an die evidenzbasierte Medizin

Um diese Sorge loszuwerden, orientiert sich die DEGAM-Hospitationspraxis streng an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Als MEZIS-Mitglied lehnt sie den Besuch von Pharmareferenten ab.

Die Weiterverordnung neuer, wenig erprobter Arzneimittel, die Patienten auf Empfehlung von Fachärzten oder Spezialisten verschrieben haben möchten, überlässt die Praxis den Erstverschreibern, wenn sie nicht selbst vom Nutzen überzeugt ist.

Bei einer normalen Patientenstruktur können die Patienten so gut mit Medikamenten versorgt werden, ohne dass die Praxis Regresse fürchten muss, meinte Dr. Schneider-Rathert auf dem Practica-Seminar "Erfolgreiche Praxisführung".

Ein Rezept gibt es nur mit persönlichem Arztkontakt

Wichtig bei Dauerverordnungen ist auch, dass Patienten regelmäßig zur Kontrolle einbestellt werden. Schließlich holt etwa ein Drittel der Patienten jedes Quartal nur Rezepte oder Überweisungen ab. Werden diese nie kontrolliert, ist das zum einen medizinisch kritisch, zum anderen fehlen auch Verdünnerscheine, die dafür sorgen, dass der Arzt Patienten mit komplizierten Problemen mehr Zeit einräumen kann.

Deshalb gilt in der Braunschweiger Gemeinschaftspraxis: Ein Rezept im Quartal gibt es nur mit persönlichem Arztkontakt. Zum Großteil laufen die Rezeptbestellungen über das Telefon, abgeholt wird aber persönlich.

Junge Menschen mögen Parkplätze und nicht lange warten

Hausärzte sollten darauf achten, dass sie auch junge Menschen an die Praxis binden. Das gelingt nur, wenn die Wartezeiten gering sind und möglichst Parkplätze vor der Praxis vorhanden sind, so Dr. Schneider-Rathert.

"Ich hatte einen jungen Patienten mit wiederkehrenden psychischen Krisen, für den ich mir gerne Zeit nahm. Zwischen den Krisen, für die Behandlung grippaler Infekte, suchte der Mann jedoch vor unserer Praxisumstrukturierung den Arzt in der Stadt auf, weil es dort viel schneller ging.", erklärt Dr. Schneider-Rathert. Dabei sind doch gerade die unproblematischen, medizinisch wenig herausfordernden Fälle für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis unabdingbar. Deshalb ist eine Terminplanung, an die sich Praxisteam und Ärzte halten, ungeheuer wichtig.

Mehr Zeit in papierloser Praxis

Um die Abläufe zu optimieren, rät Dr. Schneider-Rathert zur papierlosen Praxis. So entfällt für die MFA das stundenlange Einordnen oder Suchen nach Berichten und Befunden. Berichte, die häufig über den WLAN-Router eintreffen, werden der elektronischen Patientenkartei zugeordnet. Papierbefunde werden eingescannt und die Originale nicht mehr abgeheftet, sondern ordnungsgemäß entsorgt.

Müssen Originalbefunde nicht für rechtliche Auseinandersetzungen aufbewahrt werden?, wollte ein Kollege aus dem Publikum wissen. Wenn die elektronische Datensicherung in der Praxis fälschungssicher und dokumentenecht erfolgt, hält es der Braunschweiger Hausarzt für übertrieben, zusätzlich noch alle Papiere aufzubewahren. Schließlich müsste auch der Facharzt noch den Originalbefund vorliegen haben.

MFA genau sagen, was zu tun ist und warum das wichtig ist

Um sich Zeit für die Patienten freizuschaufeln, ist zudem die konsequente Delegation nicht ärztlicher Aufgaben ans Praxisteam sehr wichtig. Ärzte sollten präzise definieren, welches Ergebnis sie von einer MFA erwarten und warum diese Aufgabe für die Praxis wichtig ist.

So hat das Ärzteteam der Praxis, nachdem es das medizinische und wirtschaftliche Potenzial der neuen Geriatrieziffern erkannt hatte, die MFAs angewiesen, z.B. das geria­trische Basisassessment bei den betreffenden Patienten durchzuführen.

Weil die MFAs den medizinischen Sinn sofort erkannten und am Umsatz angemessen beteiligt wurden,  klappte die Umsetzung sehr schnell. Mittlerweile wird bei nahezu allen Patienten, die dafür infrage kommen, das Assessment zweimal jährlich durchgeführt. Und zusammen mit der EBM-Nr. 03362, die ebenfalls konsequent erbracht wird, konnte ein schöner Umsatzzuwachs bei gleichzeitig guter Versorgung der Patienten erzielt werden.