Twitter und Co. sind in den Arztpraxen noch nicht üblich – aber ein Trend

Praxis-IT Autor: Anouschka Wasner

Posten, sharen, twittern sind in – aber nicht jeder kann‘s. Dann gilt: Lieber gar kein Social-Media-Kanal als ein schlechter! © fotolia/Gesina Ottner, fotolia/Евгения Мухитова

Das blaue Twitter-Vögelchen erkennt nicht jeder sofort. Trotzdem fragen sich immer mehr Praxen, ob die Präsenz in den sozialen Medien für sie wichtig sein könnte. Welche Gründe dafür und welche dagegen sprechen.

In Zeiten, in denen sich die meisten Praxisinhaber Gedanken darum machen, wie sie mit dem Patientenandrang fertig werden sollen, stellt sich die Frage fast automatisch: Wozu braucht eine Arztpraxis überhaupt Social Media? Auch Dr. Christine Trutt-Ibing, Expertin für Internetlösungen für Ärzte, stellt diese Frage an den Anfang, wenn sie über Social Media spricht. Das Engagement von Praxen in Facebook, auf Twitter oder anderen Social-Media-Kanälen sei noch lange kein Standard.

Aber: Je mehr sich eine Praxis im Bereich Selbstzahlerleis­tungen und Privatpatienten bewege, desto näher liege es für sie, auch in den Social Media Marketing zu betreiben, erklärt sie ihm bei einer Fortbildung der KV Hessen. Denn die entsprechende Patientengruppe sei "umkämpft" und will gewonnen und gebunden werden. Einen weiteren Anlass für Praxismarketing in den sozialen Medien biete die Personalgewinnung – ein immer stärker spürbar werdendes Problem für viele Praxen.

Als Arzt werben – da geht mehr, als man denkt!

Aber darf eine Arztpraxis überhaupt richtiges Marketing betreiben? "Bei Werbung im ärztlichen Bereich geht mehr, als die meisten sich vorstellen können – Sie können auch im Kino oder auf dem Einkaufswagen werben", so Dr. Trutt-Ibing. Die Hauptsache – und das gilt für den Einkaufswagen genauso wie für Facebook: Erlaubt sind sachliche berufsbezogene Informationen, unzulässig ist Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten oder Produkte. Berufswidrig sind anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung.

In diesem Sinne sollte sich, so der Rat der Expertin, eine Praxisleitung zunächst überlegen: Was wollen wir mit unserem Engagement erreichen? Und: Welche Zielgruppe wollen wir ansprechen?

Um die Bindung von Bestandspatienten zu verbessern, lassen sich deren Bedürfnisse über eine Befragung herausfinden. Am leichtesten ist es natürlich, die Fragen in eine sowieso stattfindende Patientenbefragung einzubinden.

Facebook erreicht derzeit die breiteste Zielgruppe

Ansonsten freuen sich Ihre Patienten bestimmt auch über eine spezifische Abfrage zum Thema – die meisten Menschen wissen es zu schätzen, wenn sich jemand nach ihren Wünschen erkundigt. Die wichtigsten Fragen einer solchen Umfrage wären: Welche sozialen Medien nutzen Sie? Und: In welchen sozialen Netzwerken wünschen Sie sich unsere Praxis aktiv? (Vorlage zum Download auf der Website der Expertin www.cti-webkonzepte.de/smkvh > Patientenfragebogen Social Media).

Wer neue Patienten gewinnen will, muss überlegen: Jeder Kanal bedient eine andere Zielgruppe – abhängig von den eigenen Zielen gilt es dann, über Recherchen den richtigen Kanal ausfindig zu machen. Zurzeit lässt sich allerdings Facebook als der Kanal ausmachen, über den Sie wahrscheinlich quantitativ die meisten Ihrer (potenziellen) Patienten erreichen.

Passt Social Media zu Ihren Neigungen und Ihrer Praxis?

Ganz entscheidend ist das Hinterfragen Ihrer persönlichen Neigungen. Social-Media-Marketing ist zeitaufwendig und muss zu Ihnen und Ihrem Team passen. Liegt Ihnen die persönliche Kommunikation über einen öffentlichen Kanal? Wie viel Zeit können und wollen Sie investieren; liegt es Ihnen, quasi dauerhaft am Ball zu sein? Und wer aus dem Praxisteam kann Sie dabei unterstützen?

Diese Fragen müssen kritisch beantwortet werden. Eine Social-Media-Präsenz ist kein Selbstläufer, sie muss ständig aktiv "befeuert" werden. Ein veraltetes Profil bzw. ein Kanal, auf dem wichtige Informationen wie etwa urlaubsbedingte Praxisschließungen nicht erwähnt oder Posts von Patienten nicht beantwortet werden, wirft ein schlechtes Licht auf die Praxis. Wer also die Frage nach der persönlichen Motivation nicht mit Begeisterung beantworten kann, sollte sich – was die sozialen Netzwerke betrifft – lieber für kein Licht entscheiden als für ein schlechtes.

Quelle: Fortbildung der KV Hessen


Dr. Christine Trutt-Ibing, CTI-Internetlösungen für Ärzte © MT-Archiv