Jähes Ende für einst gefeierten Praxisverbund

Niederlassung und Kooperation

2014 waren Ministerin Huml und Familie Trißler noch optimistisch. © StMGP Bayern

2014 spendierte der Freistaat Bayern dem verheißungsvollen Praxisverbund "consensus med", der mit angestellten Ärzten auf dem Land Patienten versorgen wollte, 200 000 Euro Fördergeld. Jetzt ist schon wieder Schluss.

Die Unternehmerfamilie Trißler aus dem mittelfränkischen Sugenheim – 
bestehend aus dem Allgemeinarzt Dr. Friedrich Trißler und seiner Frau Mechtild, ebenfalls Allgemeinärztin, sowie Sohn Dr. Markus (Allgemeinarzt) und Dr. Johannes Trißler (Jurist) – hatte leer stehende Praxen in den drei oberbayerischen Gemeinden Petershausen, Reichertshausen und Hohenkammer aufgekauft und die Sitze für angestellte Ärzte ausgeschrieben, mit festen Arbeitszeiten und ohne finanzielles Gründerrisiko. In weniger als vier Wochen waren die Sitze vergeben. Dem bayerischen Gesundheitsministerium war dieses "innovative medizinische Versorgungskonzept" eine Förderung von 200 000 Euro wert.

Protest wegen Wettbewerbsverzerrung

Wenig Begeisterung zeigten dagegen die niedergelassenen Ärzte in den Gemeinden, in denen eigentlich kein Ärztemangel herrschte. In einem Protestschreiben an Gesundheitsministerin Melanie Huml und Ministerpräsident Horst Seehofer sprachen rund 70 Mediziner aus den Landkreisen Pfaffenhofen und Dachau von einer Wettbewerbsverzerrung.

Auch bei der Unternehmerfamilie scheint die anfängliche Begeisterung verraucht zu sein. Die elf Mitarbeiter in den Praxen in Reichertshausen, Petershausen und Hohenkammer – 
Ärzte, Arzthelferinnen und Reinigungskräfte – erhielten vor Weihnachten 2016 die Kündigung; Ende Januar sollte Schluss sein.

Man werde sich künftig auf den Heimatstandort in Franken konzentrieren, wo man ein ähnliches Projekt realisieren wolle, hieß es vonseiten der Unternehmensführung. Über die Gründe der Schließung herrscht Schweigen. Die Unternehmerfamilie schottet sich ab.

Junger Mediziner will eine der
 entstandenen Lücken füllen

Von der Schließung überrascht zeigten sich die Bürgermeister der drei Gemeinden. "Das ist eine unschöne Geschichte", erklärte Hohenkammers Bürgermeister Johann Stegmair gegenüber Medical Tribune, "die medizinische Versorgung ist nicht mehr gesichert".

In Reichertshausen hat sich inzwischen ein junger Mediziner gemeldet, der in die vakante Arztpraxis einsteigen will. Hohenkammer und Petershausen suchen noch. Kosten entstehen den Gemeinden erst, wenn sich keine Lösung findet.

Nach Einschätzung von Dr. Ilka Enger, Vorstandsmitglied 
im Bayerischen Facharztverband (BFAV) und Ex-KV-Vorstand, ging "das gut gemeinte Vorhaben zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum völlig an den Patientenbedürfnissen vorbei". Es sei auch "an einer ärztlichen Behandlung mit Dienst nach Vorschrift gescheitert". Zudem habe die Konzentration auf die hausärztliche Versorgung ohne fachärztliche Partner nicht funktioniert. Derartige Zentren seien nur unter Mitnahme von Subventionen für kurze Zeit betreibbar, meint BFAV-Vorstand Dr. Karl Ebertseder.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht