Landarztquote in Rheinland-Pfalz: Facharztwahl im ersten Semester treffen

Niederlassung und Kooperation Autor: Maya Hüss

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (2. v.l.) und Wissenschaftsminister Dr. Konrad Wolf (mitte) klären in Mainz zur „Landarzt-Offensive" auf. © MSAGD

Mehr Medizinstudienplätze an der Universität Mainz, eine Landarztquote und eine Regionalisierung der klinischen Ausbildung – ab dem Wintersemester 2020/21 soll sich in Rheinland-Pfalz einiges ändern. Die Landesärztekammer sieht die Quote allerdings skeptisch.

Das Durchschnittsalter der Landärzte macht uns Sorgen, denn 40 % sind bereits über 60 Jahre alt. Und nur etwa 10 % der angehenden Mediziner entscheiden sich für die Allgemeinmedizin“, sagt Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Gesundheitsministerin von Rheinland-Pfalz. Deshalb soll eine „Landarzt-Offensive“ mit einem Bündel von Maßnahmen verabschiedet werden.

Die Ministerin kündigt u.a. eine Landarztquote an. Ab dem Wintersemester 2020/21 sollen bis zu 10 % der Medizinstudienplätze an diejenigen Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung bis zu zehn Jahre lang in einer unterversorgten Region des Landes hausärztlich tätig zu werden. Dazu soll im Auswahlverfahren neben der Abiturnote auch die persönliche Eignung zur Ausübung des Arztberufs beurteilt werden.

Wer sich dann aber nicht an die Abmachung hält, dem könnten bis zu 250 000 Euro Vertragsstrafe drohen. Härtefallkriterien sollen noch definiert werden. „Erkrankt ein angehender Mediziner oder eine Person aus dessen nahem Familienkreis schwer, so muss er die Strafe natürlich nicht zahlen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die zum Beispiel das Studium nicht bestehen“, erklärt die Gesundheitsministerin. Ein entsprechender Gesetzentwurf mit der Quote soll noch in diesem Jahr dem Kabinett vorgelegt werden.

Anfänger setzen sich einem „hohen Erwartungsdruck“ aus

Dass die Quote tatsächlich in elf bis zwölf Jahren in den Landarztpraxen Wirkung zeigt, versieht die Landes­ärztekammer mit einem Fragezeichen. In einer Pressemitteilung betont sie den „hohen Erwartungsdruck“, der hier einem Studenten im ersten Semester für die kommenden Jahre zugemutet wird. Kritisch hinterfragt sie auch die Zahl der Erstsemester-Studienplätze an der Universitätsmedizin in Mainz, die laut Wissenschaftsminister Professor Dr. Konrad Wolf bis zum Jahr 2021 um etwa 20 erhöht werden soll.

Er spricht dabei um eine Zunahme von 13 % im Vergleich zum Studienjahr 2016, dem Beginn der Legislaturperiode, als es laut Wissenschaftsministerium 392 Studienanfänger gab. Fürs Studienjahr 2019 seien bereits 429 Plätze festgesetzt worden, sodass der Zielkorridor nun bei 440 bis 450 Plätzen liege. Die Landesärztekammer geht dagegen von 424 Erstsemestern im Jahr 2016 aus und moniert, dass demnach 20 Studienplätze nur 5 % mehr seien, bei 13 % es also eigentlich 55 zusätzliche Plätze sein müssten.

Ebenfalls als Teil der „Landarzt-Offensive“ werden auch die Zulassungsbestimmungen zum Medizinstudium neu geregelt. Neben Schulnoten spielen dann Erfahrungen eine Rolle bei der Vergabe. Hierzu plant das Wissenschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen die Einführung eines ca. neunmonatigen „strukturierten Versorgungs­praktikums“. Die Praktikumsbesten sollen zum Studium zugelassen werden. Zudem strebt das Ministerium eine Regionalisierung der Ausbildung an. Ab dem Wintersemester 2020/21 sollen Teile des klinischen Abschnitts auch in Trier absolviert werden können. „Wir wollen, dass die Studierenden die Regionen kennenlernen“, erklärt Prof. Wolf.