Praxis bei eBay zu verschenken

Niederlassung und Kooperation Autor: Thomas Trappe

Die MFA Sylvia Hesse und Mandy Gebhardt mit dem Vertretungsarzt Dr. Ulrich Fincke. Sie hoffen weiter auf eine Lösung. © privat

Nach dem Tod eines Hausarztes in Worbis im strukturschwachen Landkreis Eichsfeld im Norden Thüringens scheint dort die Versorgung wegzubrechen. Eine Nachfolge für ihn ist nicht in Sicht. Für den Erhalt der Praxis wird jetzt mit ungewöhnlichen Bandagen gekämpft.

Als Dr. Wolfgang Hoffmann im Oktober vergangenen Jahres unerwartet starb, brach nicht nur für seine Familie eine Welt zusammen, sondern auch für seine rund 1500 Patienten. Denn Dr. Hoffmann war in Worbis eine unverzichtbare Säule der hausärztlichen Versorgung.

Diese Säule droht nun wegzubrechen: Eine Nachfolge für den Hausarztsitz hat sich bislang auf herkömmlichem Weg nicht finden lassen. Deswegen gehen der Sohn des Verstorbenen, Daniel Hoffmann, und Dr. Ulrich Fincke, der als Notbeauftragter die Praxis derzeit weiterführt, einen ungewöhnlichen Weg, die Praxis am Leben zu halten und die Jobs der drei MFA zu retten: Sie bieten die Praxis bei eBay-Kleinanzeigen für einen symbolischen Preis an.

Für 2021 war die Übergabe schon bestens organisiert

70 Jahre alt war Hoffmann, als er starb, und nichts deutete zuvor auf seinen Tod hin. Zwei Jahre wollte er eigentlich noch weitermachen, dann an eine schon gefundene Nachfolgerin übergeben – allerdings hat diese ihre Facharztausbildung noch nicht abgeschlossen, sodass der ursprüngliche Plan nach dem überraschenden Tod nun nicht mehr aufgeht.

Dann bahnte sich im November eine andere Lösung an: Ein MVZ aus dem Eichsfeld zeigte Interesse, den Sitz aufzukaufen. Doch dann hatte dieses überraschend mitgeteilt, doch nicht kaufen zu wollen. Es fehlte ihnen das Personal.

Dass die Praxis überhaupt noch existiert, ist dem 65 Jahre alten Allgemeinmediziner Dr. Ulrich Fincke zu verdanken, der eng mit der Familie befreundet ist. Er hat von der KV Thüringen einen temporären Versorgungsauftrag erhalten. Der Allgemeinmediziner ist pensioniert und hatte bis vor Kurzem eine Hausarztpraxis am Starnberger See. Bis Mai kann er noch bleiben, doch dann möchte er wieder zurück. „Ich arbeite gerne, habe aber auch viele private Verpflichtungen“, sagt er.

In anderen Gegenden Deutschlands wäre die Praxis Gold wert: Sie liegt zentral an einer Bundesstraße, hat zwei Bushaltestellen vor der Tür, zehn eigene Parkplätze. Im gleichen Haus betreiben zwei Zahnärzte ihre Praxis, nebenan gibt es zwei Internisten mit kardiologischem und gastroenterologischem Schwerpunkt, außerdem eine Apotheke. Die Praxis verfügt über einen großen Wartebereich, zwei Behandlungszimmer und einen Laborraum.

„Aber das Wertvollste“, betont Daniel Hoffmann, „sind die drei Arzthelferinnen.“ Sie sind ein Hauptgrund dafür, dass die Praxis unbedingt erhalten bleiben soll. Zwei der MFA sind seit 16 Jahren dabei. „Sie kennen 95 % der Patienten mit Namen“, sagt Hoffmann.

Einige Patienten haben erfolglos versucht zu wechseln

Für die Patienten wäre die Praxisschließung ein harter Schnitt, nicht nur aufgrund der engen und oft sehr langjährigen persönlichen Bindungen an die Praxis. „Wir haben von einigen Patienten bereits gehört, dass sie in anderen Praxen abgewiesen wurden, weil dort niemand mehr aufgenommen werden könne“, sagt Dr. Fincke.

Auf die Idee, die Praxis bei eBay anzubieten, kam er, weil er von einer ähnlichen und letztlich erfolgreichen Aktion im Sauerland gehört hatte. Den Verkaufspreis von 6 Euro in der Anzeige habe er nur deswegen angegeben, weil eBay keine Verkaufssumme von null akzeptiert. Parallel führen Dr. Fincke und Daniel Hoffmann aber auch Gespräche mit der KV Thüringen. Dort hofft man auf die stille Reserve beim Thüringer Hausarztnachwuchs, so KV-Sprecher Veit Malolepsy. Er verweist auf das Seminar- und Mentoringprogramm der KV Thüringen. Aus diesem Programm gehe jedes Jahr eine Gruppe von 20 bis 30 junger Allgemeinmedizinern hervor, zudem gebe es Förderprogramme für sich öffnende Hausarztsitze wie jenen in Worbis, so Malolepsy. Im Kreis Eichsfeld habe man auf diesem Wege in den letzten Jahren zwei Hausarztsitze übergeben können und auch in anderen Regionen Thüringens gebe es Erfolge zu vermelden.

Insgesamt verbessere sich die Lage auf jeden Fall: So seien vor fünf Jahren noch 80 der rund 1500 Hausarztsitze offen gewesen, inzwischen nur noch 37,5. Ein halber davon befindet sich in Worbis, würden Dr. Fincke und Hoffmann keinen Nachfolger finden, wären es also 1,5 offene Sitze. Aber das ändere nichts daran, sagt KV-Sprecher Malolepsy, dass „die Lage für die Patienten und die Praxis­angestellten in Worbis jetzt sehr angespannt“ sei. Eine Meldung auf die ebay-Anzeige gibt es ja schon: eine Ärztin in Weiterbildung. Sie hat großes Interesse – kann allerdings erst ab Sommer 2020 anfangen. Es gibt allerdings noch keine Idee, wie man die Zeit bis dahin überbrücken könnte.

Medical-Tribune-Bericht

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