„Bevor ich meine Praxis auflöse, verschenke ich sie“

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Maya Hüss

Hausarzt Dr. Clemens Willmann in Schwaben ist derzeit mit zwei Interessenten in Verhandlungen. © privat

Was tun, wenn man für seine Praxis auf dem Land einfach keinen Nachfolger findet? Man verschenkt sie! Ein Kollege erklärt, warum er diesen Schritt macht.

Medienaufmerksamkeit hat der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Clemens Willmann, der seit 38 Jahren eine Praxis in Donaueschingen im Schwarzwald betreibt, seit Ende letzten Jahres genug: Nachdem in der Lokalpresse zu lesen war, dass der 68-Jährige seine Praxis verschenken will, berichteten auch Südwest 3, Regio TV und Baden TV darüber.

Doch obwohl sich anschließend insgesamt neun Interessenten auf das Angebot gemeldet haben, steht Dr. Willmann derzeit mit gerade einmal zwei davon in engen Verhandlungen. Die restlichen seien wieder abgesprungen, berichtet er.

Der Patientenstamm soll erhalten bleiben

Auf die Frage, warum er seine Praxis denn überhaupt verschenke und nicht verkaufe, sagt er: „Im Vordergrund steht der ,Good Will‘, also der gute Wille, dass mein Patientenstamm weiter erhalten bleibt.“

Weiter merkt er an, dass es in einer ländlichen Gegend wie der um Donaueschingen schwierig sei, einen Nachfolger für eine Praxis zu finden. Wie in ganz Deutschland mache sich auch hier der Ärztemangel bemerkbar. „Viele junge Mediziner treibt es vom Land in die Stadt, wie nach Tübingen oder nach Freiburg. Bevor ich aber meine Praxis ganz auflösen muss, verschenke ich sie lieber“, sagt der alteingesessene Allgemeinarzt.

Seit vier Jahren schon ist er auf der Suche nach einem Nachfolger. Deshalb hat er sich auch im letzten Jahr dazu entschieden seine Praxis zum „Nulltarif“ anzubieten. Lediglich eine kleine Ablöse für die Praxis­einrichtung und das EDV-System verlangt er von seinem zukünftigen Nachfolger. Seine Praxis wurde übrigens von einem Gutachter auf eine sechsstellige Summe beziffert.

Den Schritt, seine Praxis zu verschenken, macht er nicht alleine für seine Patienten. Auch seine sechs Angestellten möchte der Hausarzt gut untergebracht wissen. Mitte dieses Jahres will sich Dr. Willmann allerdings in den Ruhestand begeben – mit oder ohne Nachfolger. Deshalb nimmt er weitere Bewerbungen noch gerne an, in der Hoffnung, seine Praxis retten zu können.