Endometriosegarten: Sag's durch die Blume

Praxismanagement , Geld und Steuern Autor: Maya Hüss

Nach dem Vorbild aus England soll auch bald in Fulda ein medizinischer Themen-Garten blühen. © privat/Talbot

Um die Öffentlichkeit für die Endometriose zu sensibilisieren, hat sich die Ärztin und Hobbygärtnerin Nicole Talbot etwas Besonderes einfallen lassen: einen Endometriosegarten auf dem Fürstlichen Gartenfest. Ob das Projekt realisiert werden kann, hängt allerdings von den Spendern ab, um deren Unterstützung sie auf einer Crowdfunding-Plattform bis Mitte Dezember wirbt.

Sie erlebt es täglich in ihrer gynäkologischen Praxis. „Die Krankheit der Endometriose bekommt sowohl in der Forschung als auch bei den Patienten und der Bevölkerung noch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihr eigentlich zusteht“, sagt die Herforder Frauenärztin Nicole Talbot.

Sie ist deshalb aktiv geworden und hat ein öffentliches Projekt ini­tiiert: einen Garten, dessen Gestaltung die unterschiedlichen Ausprägungen und Phasen der Krankheit symbolisch widerspiegeln soll.

Finanzieren möchte Talbot dieses Projekt mithilfe von „Startnext“, dem Marktführer der Crowdfunding-Plattformen in Deutschland. Auf die Idee des Crowdfundings ist sie durch eine Freundin gekommen, die neben Projektmanagement auch Finanzierung studiert hat. Auf Startnext musste die Ärztin zunächst ein Profil anlegen mit Bildern, Videos und Texten. Ihr Finanzierungsziel von 8000 Euro hofft sie am 15. Dezember dieses Jahres zu erreichen. Insgesamt benötigt sie für die Gartenrealisierung 20 000 Euro.

Geld wird für die Pflanzen und die Gärtner benötigt

Mit den Spenden sollen hauptsächlich die Pflanzen und die Arbeit eines Gärtner-Teams beim Fürstlichen Gartenfest 2018 in Fulda bezahlt werden. Der Endometriose- Garten selbst soll aus drei Teilen bestehen. Einem „Schmerzgarten“ mit Feuerschale und roten Tulpen um den Schmerz der Betroffenen zu repräsentieren, einem „OP-Garten“, in dem die Farbe Grün vorherrschend für das Sterile stehen soll und einem „heilenden Garten“ mit duftenden Blumen und einem Wasserspiel.

Die Idee zu einem solchen Projekt hat Talbot aus England mitgebracht. Auf der größten Blumenausstellung der Welt, der „Hampton Court Flower Show“, sagte sich die Ärztin: „So etwas brauchen wir auch in Deutschland.“ Das Projekt erntet laut Talbot bereits viel Zuspruch. Doch vom Lob bis zur Geldspende ist es für viele Menschen ein großer Schritt, weiß die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Als Dankeschön gibt es Geschenke für die Spender

Ihre Unterstützer sollen aber keinesfalls leer ausgehen. Für jede Geldspende im Wert von 20 Euro wird der Spender namentlich im Garten erwähnt. Wer bereit ist, 50 Euro zu spenden, erhält eine Eintrittskarte zum Festlichen Gartenfest in der Fasanerie in Fulda, das vom 18. bis zum 21. Mai 2018 stattfindet. Sollte das Projekt erfolgreich finanziert werden, hat Talbot auch schon Zukunftspläne, wie es für die Pflanzen nach der Veranstaltung weitergehen könnte: „Wir sind in Verhandlungen mit Reha-Einrichtungen, in denen die Blumen in einem Garten für die Patienten weiterblühen könnten.“

Was ist Crowdfunding?

Als Crowdfunding bezeichnet man eine Gemeinschaftsfinanzierung von Projekten mithilfe des Internets. Sie wird gerne von jungen Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen, sog. Start-ups, eingesetzt. Aber auch Privatpersonen können Crowdfunding-Plattformen nutzen, um Geld für künstlerische, kreative oder nachhaltig angelegte Projekte einzusammeln. Die Gründer stellen diese mit Texten, Bildern und Videos vor. Finanzierungszeitraum und -summe sind festzulegen. Kommt der Betrag rechtzeitig zusammen, wird das Geld an die Gründer ausgezahlt und die Plattform kassiert eine Provision. Diese kann drei bis zehn Prozent betragen. Zusätzlich zur Provision kommt noch eine Transaktionsgebühr hinzu, die in etwa bei drei bis vier Prozent liegt.

Wird die benötigte Summe am Ende des Finanzierungszeitraumes nicht erreicht, so gilt das Projekt als gescheitert. Da jede Spende so lange auf dem Konto des Spenders bleibt, bis das Funding-Ziel erreicht worden ist, muss beim Scheitern der Finanzierung auch kein Geld an die Spender zurückgezahlt werden.

Als Anreiz erhalten viele Spender beim Crowdfunding eine Art Geschenk als Dankeschön. Oft sind es Produkte, die durch das Funding produziert werden konnten oder auch Eintrittskarten zu besondere Veranstaltungen, die ohne Crowdfunding nicht zustande gekommen wären. Alleine in Deutschland gibt es derzeit an die 100 verschiedene Crowdfunding-Plattformen.


© Talbot
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Die Gynäkologin und leidenschaftliche Gärtnerin Nicole Talbot hofft ihr Projekt eines Endometriosegartens mithilfe von Crowdfunding umsetzen zu können. © privat