Plakate für die Praxis – Hausärzteverband unterstützt Info-Aktion für mehr Organspenden

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Thomas Trappe

Peter Lang vom BZgA: Nur 36 % haben Spenderausweise. © Thomas Trappe

Trotz einer grundsätzlichen Offenheit für das Thema haben sich nur wenige Deutsche mit Organ- und Gewebespenden auseinandergesetzt – mit der Folge zu geringer Spenderzahlen. Die Hausärzte sollen jetzt dabei helfen, das zu ändern.

Als „Werbekampagne“ wollte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes, die Aktion nicht verstanden wissen. Ja, man werde die eigenen Mitglieder animieren, mit ihren Patienten verstärkt über das Thema Organspende zu sprechen, aber er lege Wert darauf, dass dies „ergebnisoffen“ geschehe. „Wir wollen eine subjektiv ordentliche Entscheidung ermöglichen“, formulierte es Weigeldt, als er ein gemeinsames Projekt seines Verbandes mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vorstellte, mit dem mittelfristig die Zahl der Organspender erhöht werden soll.

Man erkenne die Wichtigkeit des Themas und mache deshalb gerne mit, so Weigeldt. Allerdings müsste den Haus­ärzten die zusätzliche Zeit, die sie in Beratungsgespräche investieren, honoriert werden. „Das macht man nicht nebenbei.“

Ab November wird der Verband Material an seine etwa 30 000 Mitglieder rausschicken, mit dem sie selbst sowie ihre Patienten über Organ- und Gewebespenden informiert werden sollen.

„Bei einem so sensiblen Thema brauchen Patienten Ansprechpartner, denen sie vertrauen“, die Hausärzte seien dafür prädestiniert, sagte BZgA-Abteilungsleiter Peter Lang. In der jüngsten BZgA-Umfrage stünden 84 % der 4000 Teilnehmer, Organspenden positiv gegenüber – nur 36 % von ihnen hätten einen Organspendeausweis.

Materialien zu medizinischen Aspekten des Hirntods

Die Info-Pakete enthalten Broschüren für Patienten, in denen z.B. medizinische Aspekte des Hirntods behandelt und Formalien zur Organ- und Gewebespende erklärt werden. Diese Materialien können von den Ärzten in beliebiger Menge bestellt und an Patienten weitergegeben werden. Dazu gehört auch ein Flyer, in dem das „Infotelefon Organspende“ der BZgA und der Deutschen Stiftung Organtransplantation beworben wird.

Patienten sollen motiviert werden, ihren Hausarzt anzusprechen. Ein bei der BZgA erhältliches Wartezimmerplakat soll helfen. Auch Postkarten, mit denen Patienten Infomaterial anfordern können, werden den Praxen angeboten.

Doppelte Widerspruchslösung könnte mehr Organe bringen

Laut Weigeldt hat das Interesse der Patienten an Organspendefragen durch die aktuelle gesellschaftliche Debatte zugenommen. Es sei deshalb wichtig, Ärzten „eine klare Argumentationslinie“ an die Hand zu geben. Weigeldt begrüßte, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine doppelte Widerspruchslösung bei Organspenden in Angriff nehmen will. Diese sei eine Möglichkeit, „die Spendenbereitschaft zu erhöhen“.

„Die derzeitige Organspendesituation ist nicht zufriedenstellend“, sagte Dr. rer. oec. Ralf Brauksiepe, der Patientenbeauftragte der Bundesregierung. 10 000 Menschen warteten hierzulande offiziell auf eine Transplantation. Alle acht Stunden sterbe einer von ihnen, „weil kein Organ gefunden wird“, so der CDU-Politiker. Ursache für den Mangel seien oft auch „irrationale Ängste“ bei Patienten oder das Unwissen zur Organentnahme sowie zur Todesfeststellung. „Und wer kann solche Ängste besser angehen als der Arzt des Vertrauens, klassischerweise der Hausarzt oder die Hausärztin?“, fragte Dr. Brauksiepe.