Praxen bald ohne ISDN: Jetzt vorbereiten!

Praxismanagement , Praxis-IT Autor: Anouschka Wasner

"Lost in space", wenn Sie VoIP hören? Lieberdie Umschaltung mit Vorlauf planen, um nicht unter Zeitdruck zu geraten. © fotolia/fotohansel

Die Mehrzahl der Praxen und Ärztehäuser setzt noch auf ISDN. Doch die Netzbetreiber wollen diese Telefontechnik loswerden. Um eine Zwangskündigung des Telefonanschlusses – und damit möglicherweise einhergehende Ausfälle – zu vermeiden, empfiehlt es sich, rechtzeitig selbst aktiv zu werden.

Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone oder 1&1 kündigen ihren Geschäftskunden verstärkt die Abschaltung bestehender ISDN-Anschlüsse an. Denn die bewährte digitale Telefontechnik wird den Netzbetreibern zu teuer – sie wollen die Anschlüsse auf die für sie günstigere "IP-Telefonie" umstellen (auch VoIP, Voice over IP genannt).

Bis spätestens 2018 will die Deutsche Telekom die letzten ISDN-Anschlüsse abschalten. In der Regel unterbreiten die Betreiber Angebote zum freiwilligen Wechsel. Das kann man zwar ignorieren – doch irgendwann droht dann die Kündigung des Anschlusses.

"Freiwillig“ wechseln ist klüger"

Arztpraxen sind jedoch auf zuverlässige und unterbrechungsfreie Erreichbarkeit angewiesen. Und die Umstellung auf VoIP lässt sich bestenfalls verzögern, aber nicht verhindern. Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht: Denn mittlerweile läuft die IP-Technik recht stabil, schlechte Sprachqualität und unzuverlässige Anschlüsse sind in der Regel kein Thema mehr. In bestimmten Konstellationen macht sie sogar über die übliche Qualität hinaus die sogenannte HD-Telefonie möglich. Die technischen Lösungen für den neuen Anschlusstyp sind mittlerweile etabliert und ausgereift.

Wie können Praxen mit ISDN-Telefonanlage jetzt vorgehen? Holen Sie sich beim Hersteller oder betreuenden Fachunternehmen ein Angebot für die Umstellung auf IP-Technik ein. Es ändert sich in der Regel weder etwas an der Verkabelung in der Praxis noch an den genutzten Telefonen.

Etwas komplexer wird die Umstellung allerdings, wenn Kreditkarten- und EC-Karten-Abrechnungsgeräte mit im Spiel sind. Aber auch dann gilt: Alle Fragen, die sich aus dem Wechsel von ISDN auf IP ergeben, erst mal an den Hersteller oder Betreiber richten.

Wen trifft‘s, was kostet‘s?

  • Wer ist betroffen?
    Jeder, der die Kombinationen Telefon und Internet oder Telefon, Internet und Fernsehen nutzt und einen "normalen" Festnetz- oder ISDN-Anschluss hat. Anschlüsse, die nur dem Telefonieren dienen, also keinen Internetzugang haben, werden zwar auch auf VoIP geschaltet – allerdings merken die Kunden nichts davon, da die Umstellung im Verteiler des Anbieters geschieht.
  • Wie ist der Ablauf der Kündigung?
    Im Fall des Marktführers Telekom: Wen es trifft, erhält vier Monate vor dem Stichtag ein erstes Schreiben. Vier Wochen später folgt die fristgerechte Kündigung. Reagiert der Kunde nicht, wird er bis zur Abschaltung weitere zweimal aufgefordert, die Telekom wegen eines neuen Vertrages zu kontaktieren. Dann wird abgestellt.
  • Was kostet die Umstellung?
    Höhere Tarife dürften durch die Umstellung nicht entstehen. Ein Anbietervergleich kann sich trotzdem lohnen, ein Wechsel birgt allerdings immer das Risiko, einige Tage ohne Internet und Telefon zu sein. Möglicherweise harmonieren manche Zusatzgeräte wie z.B. Faxgeräte nicht perfekt – vor dem Neukauf erst beim Netzbetreiber nachfragen, ob das Gerät (Geräte­nummer angeben) für IP geeignet ist.
  • Wichtig für die Arztpraxis?
    Nach der Umstellung ist Ihre Praxis vom Router abhängig: Ist der Internetzugang gestört oder fällt der Strom aus, funktioniert auch das Telefon nicht mehr!

Für kleinere Praxen, in denen nicht mehr als acht Telefone genutzt werden und die mit zwei Außenleitungen auskommen, gibt es überschaubare Lösungen aus dem Consumer-Markt – insbesondere wenn vom Telefonanbieter auch ein Internet-Anschluss bezogen wird. Die dafür eingesetzten "Router" können nämlich die Funktion einer kleinen Telefonanlage übernehmen.

Weniger als acht Telefone? Router nutzen!

Diese Möglichkeit bieten etwa die "Speedport"-Router der Deutschen Telekom, aber auch bestimmte Modelle der "Fritzboxen" des Marktführers AVM, die z.B. von den Anbietern 1&1 und Vodafone vertrieben werden. Ein Vorteil der Fritzboxen: Sie verfügen über eine interne ISDN-Schnittstelle, den sogenannten S0-Bus. Damit können vorhandene ISDN-Geräte weiterverwendet werden – der Router übersetzt zwischen alter ISDN- und neuer IP-Technik.

Sofern ein solcher Router nicht zum neuen Anschluss mitgeliefert wird, lässt er sich für 180 bis 250 Euro kaufen. Für Telekom-Router muss zu diesem Zweck der separate "Speedport ISDN-Adapter" für 70 Euro nachgekauft werden. Sowohl Fritzboxen als auch Speedports verfügen zudem über eine eingebaute Basisstation für schnurlose Telefone, an denen sich bis zu sechs Mobilteile anmelden lassen.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht