Sprechstundentermine limitieren?

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Maya Hüss

Zehn Minuten pro Patient und Konsultation sind einfach zu wenig. © iStock.com/archideaphoto

„Sollte die tägliche Patientenanzahl in der hausärztlichen Versorgung begrenzt werden?“, fragen sich zwei britische Allgemeinärzte und regen damit eine kontroverse Diskussion an.

Arzt Laurence Buckman aus London findet: „Eine Zehn-Minuten-Konsultation ist zu kurz, um auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können.“ Er fordert deshalb, dass die tägliche Patientenanzahl in Hausarztpraxen reduziert werden sollte. So sei zwar jedes Beschwerdebild wichtig, man könne aber nicht so weitermachen und darauf warten, dass dem Arzt schwere Fehler unterlaufen oder er selbst stressbedingt krank wird. Dabei will Buckman keinesfalls echte Notfälle in seiner Praxis zurückweisen. Viele der sogenannten Notfälle würden sich allerdings auf Atteste, Versicherungsformulare oder geringe Beschwerden beziehen.

Und obwohl es in der ambulanten Versorgung in England bereits ein Triage-System gibt, um echte Notfälle herauszufiltern, habe sich die „Flut an Patienten“ in den Praxen nicht signifikant reduziert.

Arbeitsbelastung reduzieren sei Zeichen für Professionalität

So beginne ein halber Arbeitstag mit etwa 18 vereinbarten Terminen. Hinzu kommen die unangemeldeten Patienten. Die Arbeitsbelastung und somit auch die tägliche Patientenanzahl zu reduzieren, wäre für Buckman ein Zeichen der Professionalität. Ganz anders sieht es Hausarzt Michael Griffiths aus Südwales. Für ihn steht fest: „Eine willkürlich gezogene Obergrenze bei der Patientenanzahl zu definieren, wäre der falsche Weg.“ Dies schränke die Flexibilität des Arztes ein.

Ganz außer Acht gelassen wird bei der Diskussion laut Griffiths allerdings die Frage nach zusätzlichen Ressourcen für das System. Diese seien dringend notwendig, um das Arbeitspensum begrenzen zu können, sobald die Belastungsgrenze eines Arztes erreicht ist. Wo diese Grenze aber liegt, müsse jeder selbst entscheiden können.

Würde die tägliche Anzahl an Patienten auf beispielsweise 30 reduziert werden, was wäre, wenn der 31. Patient über Brustschmerzen klagte?, fragt sich der Hausarzt. Auch könnte es Patienten mit Depressionen geben, die sich selbst zwar nicht als Notfall einstufen würden, es aber trotzdem seien. Griffiths fordert deshalb Entscheidungsfreiheit für Hausärzte, gleichzeitig aber auch Unterstützung von der Regierung und den Organisationen der Primärversorgung.

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Quelle: Buckman L, Griffiths M. BMJ 2018; 361: k1947