Klima-Toolbox für Praxen

Praxistaugliche Checklisten und Notfallpläne für heiße Tage im Wartezimmer

Aus der Fachliteratur
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Obwohl der Klimawandel in den Arztpraxen längst angekommen ist, wird ihm kaum gezielt begegnet.

Obwohl der Klimawandel in den Arztpraxen längst angekommen ist, wird ihm kaum gezielt begegnet. Ein „Werkzeugkoffer“ aus Bayern soll helfen, das zu ändern.

Als Rüstzeug auf dem Weg zur klimaresilienten Praxis unterstützt die neue Klima-Toolbox die haus- und fachärztliche Versorgung mit Praxistipps, die sich in bestehende Abläufe integrieren lassen.

Hitzewellen und Starkregen, Pollenbelastung und Luftverschmutzung. Diese Ereignisse häufen sich auch hierzulande und betreffen vor allem vulnerable Gruppen wie ältere und chronisch Kranke, besonders Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege. In Deutschland sterben im Schnitt etwa 3.000 Menschen pro Jahr an den hitzebedingten Folgen des Klimawandels, in Extremsommern weitaus mehr (bis zu 8.700 Hitzetote wie in 2018). Eine neue Klima-Toolbox soll nun Haus- und Fachärztinnen, Praxismanagerinnen und -manager sowie medizinische Fachangestellte und Praxisnetze im richtigen Umgang mit dem Klimawandel unterstützen.

Den Werkzeugkoffer entwickelt hat das Forschungsprojekt zur Anpassung der Gesundheitsversorgung an die Folgen des Klimawandels („AdaptNet“). Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Universität Augsburg (FAU; Lehrstuhl für Regionalen Klimawandel und Gesundheit) und des Heidelberg Institute of Global Health sowie des Gesundheitsnetzes QuE Nürnberg und der AOK Bayern. Der Startschuss fiel im Januar 2023 im Rahmen eines Innovationsfonds-Projekts, das der G-BA mit 1,2 Millionen Euro über drei Jahre gefördert hat.

Risiken analysieren,    Wissen vertiefen

Die Box enthält praxisrelevante Angebote wie interaktive Risikokarten zur regionalen Analyse klimabedingter Gesundheitsrisiken, Checklisten für Extremwetterlagen, Stromausfall und Hitzezeiten. Personalisierbare „Infozepte“, die aussehen wie ein herkömmliches Rezept (Format: Heilmittelverordnung), sollen Patientinnen und Patienten im Umgang mit Hitze und Pollen helfen – durch konkrete Verhaltensempfehlungen (z. B. kühl duschen, Tipps zur individuellen Medikamentenanpassung). Einen Algorithmus zur Medikamentenanpassung an heißen Tagen enthält die Klima-Toolbox ebenfalls. Denn schon vor Beginn jeder Hitzesaison (April oder Mai) sollten Medikamente mit potenziellen Risiken bei hohen Temperaturen (z. B. Diuretika, Antihypertensiva, photosensibilisierende Substanzen) kontrolliert und ggf. angepasst werden.

Basis- und Vertiefungsschulungen vermitteln zudem Praxiswissen zu Klimawandel und Gesundheit. Auch Poster und Flyer, u. a. zu Hitze und UV-Strahlung, sowie kostenlose Videos fürs Wartezimmer sind in der Box zu finden. Ein Leitfaden „Wege zur klimaresilienten Praxis“ soll dabei unterstützen, die Toolbox schrittweise in den Praxisalltag zu integrieren.

Das Tool entwickelt, erprobt und evaluiert haben die im Gesundheitsnetz QuE Nürnberg organisierten Haus- und Facharztpraxen. Die zusammengestellten Materialien, die auch schon vor drohenden Hitzewellen im Sommer verwendet werden können, stuften die 67 teilnehmenden und zumeist hausärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzte als gut und vielfältig einsetzbar ein, erklärte Dr. Susann ­Hueber vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der FAU.

Alle Materialien sind kostenfrei ­erhältlich unter: www.gesundheitsnetznuernberg.de/adaptnet-klima-toolbox