Freitag, 19. Dezember 2014

Fokus Medizin

Therapie bei der erosiven Handarthrose
07.07.2011
Von: Maria Weiß, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17783
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Erosive Handarthrosen zerstören massiv die Gelenke

Viele ältere Menschen zeigen Anzeichen der Fingerpolyarthrose bzw. Hand­osteoarthritis. Welche Therapiestrategien gibt es?


Etwa 60 bis 70 % der über 65-Jährigen bieten Zeichen einer Handosteoarthritis. In bis zu 15 % der Fälle tritt die besonders aggressive, erosive Form auf. Von dieser erosiven Hand­osteoarthritis (EHOA) sind am häufigsten Frauen in der Postmenopause betroffen. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 12:1, berichtet Dr. Enijad Sahinbegovic vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg in einem Übersichtsartikel.


Wenn die Symptomatik beginnt, sind die Betroffenen meist zwischen 50 und 55 Jahre alt. Die Erkrankung macht sich akut mit Schmerzen bemerkbar, außerdem sind Funktionen im Bereich der Fingergelenke eingeschränkt. Hinzu kommen typische entzündliche Symptome wie Steifigkeit, geringgradige Weichteilschwellung, Rötung und Parästhesien. Diese Symptome sind bei Patienten mit erosiver Handosteoarthritis stärker ausgeprägt als bei der „normalen“ Polyarthrose.

Gicht, Rheuma oder erosive Arthrose?

Typisch ist ein bilateraler symmetrischer Befall vor allem der distalen und proximalen Interphalangealgelenke. Finger 2 und 3 sind am häufigsten betroffen. Von einer erosiven Osteoarthritis kann man ausgehen, wenn die Kriterien der Handosteoarthritis erfüllt sind (siehe Kasten) und zusätzlich folgende Kriterien hinzukommen:


•    Erosionen an wenigstens zwei Interphalangealgelenken (davon ein Fingerendgelenk)
•    negativer Rheumafaktor und/oder negative AK gegen zyklisches zitrulliniertes Peptid (CCP)
•    negative Anamnese und Familien-anamnese für Psoriasis
•    keine Gicht oder Chondrokalzinose
•    Anwesenheit von zentralen subchondralen Erosionen
•    normale Blutsenkung
•    normales CRP

 

Eine krankheitsmodifizierende Therapie, die den Verlauf aufhält, kann man Patienten mit der erosiven Form der Handarthrose heute noch nicht anbieten.

Therapieangebot reicht von der Schiene bis zum Opioid


Zur symptomatischen Therapie gehören nicht pharmakologische Maßnahmen wie Schulung zu Gelenkschutz, Vermeidung negativer mechanischer Einflüsse, Übungen zur Verbesserung des Bewegungsumfanges und Kräftigung der Fingermuskulatur, lokale Wärmeapplikation, Ultraschall und vor allem bei Rhizarthrose Schienen und Orthodesen.

Bei leichten und mittelgradigen Schmerzen haben sich topische NSAR und Capsaicin-Zubereitungen bewährt. Als Mittel der ersten Wahl zur systemischen Analgetikatherapie gilt Paracetamol (bis zu 4 g/d). Wenn dies nicht ausreicht – was relativ oft der Fall ist – können orale NSAR angewandt werden. Aufgrund des Nebenwirkungspotenzials sollten diese Mittel aber in niedrigster Dosierung und so kurz wie möglich angewendet werden. Bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko wird ein zusätzlicher Magenschutz mit PPI oder die Anwendung von COX-2-Hemmern empfohlen.

Am Daumensattel wirkt Steroid-Instillation

 

Weitere therapeutische Alternativen zur Schmerzbekämpfung sind Metamizol und Opioide sowie – insbesondere im Daumensattelgelenk – die Injektion eines lang wirkenden Glukokortikoids. Diese Medikamente wirken aber nur symptomatisch und ändern nichts am Verlauf, betont Dr. Sahinbegovic.

TNF-alpha-Blocker auch bei Arthrose?


Da entzündliche Zytokine auch bei EHOA nachweisbar sind, wurden in kleineren Pilotstudien bereits Interleukin-1-Antagonisten (Anakinra) und TNF-α-Blocker (Infliximab) angewandt. Teilweise konnte eine Schmerzreduktion beobachtet werden, doch die Datenlage ist noch unzureichend. Dies gilt auch für die Therapie mit Bisphosphonaten oder Chondroitinsulfat. Insgesamt sind die therapeutischen Möglichkeiten bei EHOA noch sehr eingeschränkt, so das Fazit des Kollegen.



Kriterien für eine Handosteoarthritis
Schmerzen und Steifigkeit in Hand- und Fingergelenken plus mindestens drei der folgenden Merkmale:
•    knöcherne Schwellung von zwei oder mehr der folgenden zehn definierten Gelenke (2. und 3. proximales bzw. distales Interphalangealgelenk, Karpometakarpalgelenke)
•    knöcherne Schwellung von mindestens zwei distalen Interphalangealgelenken
•    weniger als 2 geschwollene Metakarpophalangealgelenke
•    Deformation von mindestens einem der 10 definierten Gelenke

 

Enijad Sahinbegovic et al., Internist 2011; 52: 682–687

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte