Mittwoch, 22. Oktober 2014

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Das Thrombose-Risiko kann jetzt mit ein paar Klicks errechnet werden.

Das Thrombose-Risiko kann jetzt mit ein paar Klicks errechnet werden.

17.10.2011
Von: Dr. Anja Braunwarth, Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 18317
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Thrombose-Risiko einfach und schnell berechnen

Die allgemeinen Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse sind bekannt. Neu ist ein online Risiko-Rechner, der die Gefahr in Zahlen fasst.


In England sterben jedes Jahr mehr als 25 000 Menschen an venösen thromboembolischen Ereignissen, die sie in Krankenhäusern erworben haben. Das sind mehr als alle Brustkrebs-, AIDS- oder Verkehrsunfallopfer zusammengenommen. Britische Kollegen haben nun aus einer prospektiven offenen Kohortenstudie einen einfachen Algorithmus zur individuellen Risikoabschätzung entwickelt.

Hausärzte liefern die Ausgangsdaten für die Berechnung des Thromboserisikos

Dafür sammelten sie die Daten von 564 Hausärzten in England und Wales. In die Auswertungsgruppe waren mehr als zwei Millionen Patienten, in die Validierungsgruppe rund 1,2 Millionen Patienten, jeweils  im Alter zwischen 25 und 84 Jahren eingeschlossen. Nicht aufgenommen wurden Frauen mit einer Schwangerschaft in den letzten zwölf Monaten oder unter Einnahme oraler Kontrazeptiva und Menschen mit einer venösen Thrombose in der Anamnese. Nach ein und fünf Jahren wurden statistische Risikoberechnungen angestellt, erklären Professor Dr. Julia Hippisley-Cox von der Universität Nottingham und ihre Kollegen im „British Medical Journal“.  

Emboliegefahr für fünf Jahre kalkuliert

Als Risikofaktoren flossen in diese Berechnungen Alter, BMI, Raucherstatus, Varizen, kongestive Herzinsuffizienz, COPD, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Krankenhausaufenthalte in den letzten sechs Monaten und die laufende Einnahme von Antipyschotika ein, Tumorleiden wurden nicht berücksichtigt. Bei Frauen ergänzten die Kollegen die Palette noch um orale Kontrazeptiva, Tamoxifen oder Hormonersatztherapien.


In der Auswertungsgruppe ereigneten sich 14 756 Fälle venöser Thromboembolien (39 % Lungenembolien), das entsprach einer Rate von 14,6 pro 10 000 Personenjahre. Aufgrund der ermittelten Daten errechneten die Autoren, wie hoch das Thromboembolie-Risiko für bestimmte Patientengruppen innerhalb von einem bzw. von fünf Jahren ist. Eine Aussage über das aktuelle Risiko liefert der Algorithmus nicht.

Mit ein paar Klicks das Thromboembolie-Risiko errechnen

Nach Ansicht der Autoren lässt sich der neue Algorithmus (Q-Thrombose-Algorithmus) ganz einfach in die Computersysteme von Hausärzten integrieren. Geeignet ist er, um Risikopatienten vor Krankenhausaufenthalten oder Langstreckenflügen zu identifizieren und entsprechend zur Prophylaxe raten zu können.


Auch vor der Verschreibung potenziell thrombogener Medikamente kann er hilfreich sein oder um Hochrisikogruppen herauszufiltern, die besser überwacht beziehungsweise präventiv behandelt werden müssen. Aus dem Q-Thrombose-Algorithmus wurde ein einfacher Kalkulator im Internet entwickelt, mit dem jeder seine Gefahr sofort abschätzen kann. Unter der Adresse www.qthrombosis.org kann mit ein paar Klicks das Thrombose-Risiko errechnen.

Typische Beispiele aus der Praxis

• Eine 39-jährige Frau raucht stark, hat einen BMI von 37, Varizen und nimmt die Pille. Ihr 1-Jahres-Thromboserisiko liegt bei 0,2 %, das 5-Jahres-Risiko bei 1,1 % (ohne die Pille wären es 0,15 bzw. 0,9 %).

• Ein 78-jähriger starker Raucher mit COPD, Nieren- und Herzinsuffizienz und einem BMI von 29, erhält ein Antipsychotikum. Sein 1-Jahresrisiko liegt bei 4,2 %, das 5-Jahresrisiko bei 11,8 %.



Julia Hippisley-Cox et al., BMJ 2011; online first

 

 

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