Diabulimie: Insulin-Purging aufspüren, ansprechen und behandeln
Essstörungen und Typ-1-Diabetes treten gehäuft gemeinsam auf. Besonders schwierig zu erkennen ist die Diabulimie, Hinweis kann jedoch eine unerwartet schlechte Diabeteseinstellung sein. Psychiater und Ernährungsmediziner Professor Dr. Thomas Huber beleuchtete im Gespräch mit der diabetes zeitung die Hintergründe der Erkrankung und erklärte, welche Patienten man genau im Blick haben sollte.
Liegt bereits ein Typ-1-Diabetes vor, sind Patienten besonders gefährdet, eine Essstörung zu entwickeln – ihr Risiko gilt als doppelt so hoch wie das der Gesamtbevölkerung. Betroffen von Diabulimie sind insbesondere Patientinnen in der Adoleszenz oder im jungen Erwachsenenalter, die sich stark um ihr Gewicht und ihre Figur sorgen – junge Männer scheinen weniger anfällig.
In der Regel entsteht die Essstörung, nachdem die Diabeteserkrankung diagnostiziert wurde. Die Patienten verlieren plötzlich eine gewisse Selbstverständlichkeit für die Nahrungsaufnahme – sie müssen regelmäßig essen und den Blutzucker kontrollieren, dazu zählen und berechnen, wie viel sie essen.
Das Risiko, eine Essstörung zu entwickeln steigt insgesamt, wenn sich jemand viel mit Essen und Bewegung auseinandersetzt.
Diabetes ist nicht das einzige Risiko
- negatives Selbstbild und Selbstwertgefühl,
- wählerisches Essverhalten,
- Essstörungen in der Familie,
- Schwangerschaftskomplikationen,
- psychosoziale Aspekte (Adoptiv- oder Pflegekinder, Missbrauchsfälle),
- Fütterstörung im Kleinkindalter,
- bestimmte Berufsgruppen, wie Bereiche, in denen es um Ästhetik und/oder Gewicht geht, wie Models, Schauspielerinnen, Ballettänzerinnen, Turnerinnen oder Jockeys.