Muss die Katze bei Allergie zwingend ausziehen?
In jedem vierten Haushalt in Deutschland lebt mindestens eine Katze. Aber was tun, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner allergisch auf das Tier reagiert? Eine Option wäre eine Allergenimmuntherapie. Ob es sich dabei um eine gute Idee handelt, darüber streiten zwei Experten.
Unter den Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind 8,4 % gegen Katzenallergene sensibilisiert, unter denjenigen mit atopischen Erkrankungen sind es 20 bis 30 %. „Das ist enorm“, kommentierte Dr. Sebastian Schmidt vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald die Daten.
Das erste Prinzip in der Allergologie lautet: das Allergen meiden. Sollte man im Falle einer Atopie also die Katze abschaffen? „Das können wir vergessen“, meinte der Kollege. Zwar ist eine „Katzenallergie“ ein häufiger in Tierheimen henannter Grund für die Abgabe (5–15 %), jedoch behält die Mehrheit der wirklichen Allergikerinnen und Allergiker ihr Tier – sogar, wenn sie an symptomatischem Asthma leiden.
Mit Katzenallergen belastete Hautschuppen haften an Wohntextilien
Selbst wenn die Katze die Wohnung verlässt: Die Allergene wird man nicht so schnell los. Fel d 1 wird unter anderem von den Speichel-, Tränen- und Talgdrüsen abgesondert und lagert sich in den Hautschuppen des Tieres ab. Diese wiederum gelangen mit den Katzenhaaren „auch an Orte, an denen sicher nie eine Katze war“, betonte Dr. Schmidt. Die Partikel sind klein und leicht, schweben in der Luft und sammeln sich in Teppichen, Sofas, Kleidung usw. Maßnahmen zur Entfernung des Allergens wie Lüften oder der Einsatz von HEPA-Filtern sind nicht effektiv. Zudem ist auch außerhalb der eigenen vier Wände mit einer Allergenexposition zu rechnen. So genügt es beispielsweise, wenn der Sitznachbar oder die Sitznachbarin in der Schule eine Katze hat.
Welche weiteren Optionen gibt es? Die spezifische Immuntherapie gegen Katzenallergie unterliegt nicht der Therapieallergene-Verordnung. Deshalb liegen nur wenige Studiendazu vor. „Inzwischen gibt es Präparate mit Allergoiden, die sehr gut verträglich sind“, so Dr. Schmidt. In einer Studie mit über 19.000 Teilnehmenden, die eine höher dosierte SLIT erhalten hatten, wurden „keine schwerwiegenden Nebenwirkungen“ beobachtet. Auch die Wirksamkeit sei „sehr gut“. In einer Real-World-Kohortenstudie hatte sich nach einer niedrig dosierten SLIT das Risiko für neu auftretendes Asthma um 18 % reduziert, eine Verschlechterung einer bereits bestehenden Atemwegserkrankung konnte in 36 % der Fälle verhindert werden.
Leitlinien raten bei Katzenallergie von einer Allergenimmuntherapie ab
„Da lachen ja die Hühner“, kommentierte Dr. Christoph Müller von der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg die zur spezifischen Immuntherapie gegen Katzenallergie publizierten „Studien“. Die Evidenzbasis sei schlecht, eine verlässliche Aussage über die Wirksamkeit nicht möglich. Zudem seien relativ häufig systemische Nebenwirkungen aufgetreten. Auch die meisten Leitlinien (außer die US-amerikanischen) raten vom Einsatz ab oder weisen darauf hin, dass aufgrund der eingeschränkten Evidenz die Immuntherapie gegen Katzenepithelien einer kritischen Risiko- und Kosten-Nutzen-Beurteilung im Einzelfall bedarf.
In welchen Einzelfällen kann die Allergenimmuntherapie (AIT) also sinnvoll sein? In Betracht gezogen werden kann sie bei gesicherter Katzenallergie (nicht nur Sensibilisierung) und wenn zusätzlich zutrifft:
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