Hinter einer Epiphora stecken oft funktionelle Störungen
Als Ursache des tränenden Auges, der Epiphora, wird gerne eine Störung des Tränenabflusses angenommen. Das kann zu einer unzureichenden Diagnostik und falschen Therapieentscheidungen führen. Die gründliche Suche nach der oft funktionellen Ursache ist deshalb unverzichtbar.
Ein intakter Tränenfilm bewahrt die Oberflächenhomöostase des Auges und wird kontinuierlich sekretorisch, mechanisch und neuronal reguliert. Er besteht aus einer Lipidschicht, die primär die Tränenfilmstabilität sichert, und einer mukoserösen Schicht, die dem Substanztransport und der gleichmäßigen Ausbreitung des Tränenfilms dient.
Nicht nur Fehlstellungen beeinträchtigen den Tränenfilm
Der regelmäßige vollständige Lidschlag ist von entscheidender Bedeutung dafür, dass die Stabilität und gleichmäßige Verteilung des Tränenfilms erhalten bleiben, schreibt Dr. Golnar Shojaati vom Augenarztzentrum Zürich. Lidfehlstellungen, aber auch Faktoren wie zu langes Arbeiten am Bildschirm können dazu führen, dass der Lidschluss unvollständig erfolgt. Mögliche Folge ist die Instabilität des Tränenfilms.
Überschüssige Flüssigkeit wird physiologischerweise über Kanälchen in den Tränensack und weiter in den Nasen-Rachen-Raum abtransportiert. Stenosen oder Verschlüsse auf diesem Weg können das behindern. Doch in vielen Fällen beruht die Epiphora nicht auf einer Obstruktion, sondern auf einer gestörten Tränenfilmhomöostase, betont Dr. Shojaati. Kommt es dann reflektorisch zu einer vermehrten Tränensekretion, wird die Kapazität des Abflusssystems häufig überfordert.
Tränenlaufen bei trockenem Auge
Das trockene Auge zählt paradoxerweise zu den häufigsten Ursachen einer funktionellen Epiphora. Es macht sich mit Brennen und/oder Fremdkörpergefühl, manchmal mit visuellen Schwankungen bemerkbar. Zugrunde liegt eine Störung der Homöostase der Augenoberfläche oder des Tränenfilms. Als zentrale Auslöser gelten instabiler Tränenfilm, Hyperosmolarität der Tränenflüssigkeit, Entzündungen, epitheliale Schäden und neurosensorische Veränderungen.
Die Störung der Oberflächenhomöostase hat als kompensatorischen Reflex eine paradoxe Tränensekretion zur Folge. Diese Sekretion bringt allerdings keine suffiziente Benetzung der Augenoberfläche. Auch wenn die Epiphora im Vordergrund steht und Symptome wie Brennen und/oder Fremdkörpergefühl nur schwach ausgeprägt sind, spricht dies nicht gegen ein trockenes Auge.
Diagnostisch ist daher primär zwischen einer obstruktiven und einer funktionellen Epiphora zu unterscheiden. Am Anfang der Abklärung steht eine eingehende Anamnese, die Dauer und Seitigkeit des Augenträufelns erfasst und in welchen Situationen das Problem auftritt. Auch nach weiteren Symptomen wie Brennen sowie nach Vorerkrankungen und Medikamenten muss gefragt werden. Der Schweregrad lässt sich mit dem Munk-Score erfassen.
Wie lässt sich die funktionelle von der obstruktiven Epiphora abgrenzen?
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