Rheumatische Erkrankungen und Nachwuchs

Mutter mit Rheuma: Mehr psychische Störungen beim Kind

Aus der Fachliteratur
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Vor allem die Kinder von Müttern mit Lupus, Sklerodermie oder Myositis litten in der taiwanesischen Studie unter mentalen Problemen.

Kindern von Müttern mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für psychische und neuroentwicklungsbezogene Störungen. Vor allem Angststörungen traten bei ihnen in einer Studie häufiger auf.

Wenn Mütter unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden, kann sich das auf die Psyche ihrer Kinder auswirken. Das ist das Ergebnis einer retrospektiven taiwanesischen Studie, in die fast zwei Millionen Mutter-Kind-Paare aus den Jahren 2004 bis 2015 eingingen, berichtet eine Gruppe um Ya-Chun Huang vom National Cheng Kung University Hospital, Tainan City.

Von den eingeschlossenen Kindern waren 3.907 von Müttern mit entzündlich-rheumatischer Erkrankung geboren worden, 1.946.061 Kinder stammten aus der Vergleichsgruppe ohne mütterliche Autoimmunerkrankung. Während der Nachbeobachtung von median 11,7 Jahren wurde bei 774 Kindern von Müttern mit entzündlich-rheumatischer Erkrankung (19,8 %) und bei 306.907 Kindern aus der Vergleichsgruppe (15,8 %) eine psychische oder neuroentwicklungsbezogene Störung dokumentiert.

Rheuma der Mutter erhöht Risiko für psychische Störungen beim Kind um 30 %

Nach Adjustierung unter anderem für das Alter, die psychiatrische Vorgeschichte der Eltern, Tabakkonsum der Mutter, Parität, Familieneinkommen, Geschlecht des Kindes und Geburtsjahr steigerte eine mütterliche entzündlich-rheumatische Erkrankung das Risiko für psychische Störungen beim Nachwuchs um 30 %. Erhöhte Risiken fand man beim SLE (Hazard Ratio, HR, 1,26), beim primären Sjögren-Syndrom (HR 1,59), bei der idiopathischen entzündlichen Myositis (HR 1,73) und der systemischen Sklerose (HR 1,94). Die HR für rheumatoide Arthritis und systemische Vaskulitis betrugen 1,15 bzw. 0,96.

Bei den Kindern traten insbesondere Angststörungen auf (HR 1,55). Darüber hinaus zeigte sich ein erhöhtes Risiko für neuroentwicklungsbezogene Störungen insgesamt (HR 1,28). Dies betraf geistige Behinderung (HR 1,29), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (HR 1,21), spezifische Lernstörungen (HR 1,31) und motorische Störungen (HR 1,37). Für Autismus-Spektrum-Störungen war kein statistisch signifikanter Zusammenhang erkennbar (HR 0,95).

Welche Rolle Medikamente und Krankheitsaktivität spielen

In Sensitivitätsanalysen waren die Zusammenhänge zwischen mütterlicher entzündlich-rheumatischer Erkrankung und psychischen Störungen abgeschwächt, wenn zusätzlich die während der Schwangerschaft verordneten antirheumatischen Medikamente berücksichtigt wurden. Ein erhöhtes Risiko wurde allerdings bei niedrigerer pränataler Prednisolondosis und bei Patientinnen ohne gleichzeitige steroidsparende Therapie beobachtet. Das Autorenteam weist jedoch darauf hin, dass keine Daten zur Krankheitsaktivität oder zum tatsächlichen Krankheitsverlauf während der Schwangerschaft vorlagen.

Als mögliche Erklärungen diskutieren die Forschenden gemeinsame genetische Faktoren von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und psychischen Störungen sowie transplazentare Autoantikörper und proinflammatorische Zytokine, die die fetale Gehirnentwicklung beeinflussen könnten. Diese Mechanismen wurden in der Studie jedoch nicht untersucht. Trotz dieser und weiterer Limitationen empfehlen sie, bei Kindern von Müttern mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf entsprechende Störungen zu achten und deren Erfassung im Rahmen einer multidisziplinären Betreuung zu berücksichtigen.

Huang YC et al. Lupus Sci Med 2026; 13: e002129; doi: 10.1136/lupus-2026-002129

Dr. Sonja Kempinski

Dr. Sonja Kempinski ist als freie Autorin für die Medical Tribune und den Fachtitel Medical Tribune Rheumatologie/Schmerz sowie für verschiedene Gesundheitswebsites tätig. Ihre Spezialgebiete sind dabei die Rheumatologie und die Orthopädie, als ehemalige Chefredakteurin einer Zeitschrift für Allgemeinmediziner liegen ihr aber auch hausärztliche Themen am Herzen.

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